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Enkel für Anfänger

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Enkel für Anfänger - 2020 Filmposter
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Regisseur Wolfgang Groos überzeugte zuletzt vorwiegend durch seine Filme für die junge Zielgruppe. In „Enkel für Anfänger“ widmet er sich jetzt der „Generation Gold“ - und führt gleich in der allerersten Szene die von derartigen Begriffen geschürten Erwartungen ad absurdum. Seine Seniorenkomödie ist so frisch und herzlich, dass sie diesen Begriff – abgesehen von der inhaltlichen Thematik – eigentlich gar nicht verdient.

Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) haben nicht nur ihr Rentenalter gemein, sondern auch die Angst vor der Langeweile im Alltag. Die quirlige Philippa hat dagegen vorgesorgt und kümmert sich als Paten-Oma regelmäßig um betreuungsbedürftige Kinder aus der Nachbarschaft. Etwas, was für Karen und insbesondere Gerhard eigentlich gar nicht infrage kommt. Doch manchmal kommt es eben ganz anders und so findet sich Karin schon bald als Betreuerin zweier aufgeweckter Patchwork-Geschwister wieder, die mit dem unsteten Umfeld ihrer Familie heillos überfordert sind. Und auch der verhärmte Witwer Gerhard erkennt in einem kleinen russischen Jungen zunächst sich selbst und entdeckt später die Freude daran, wie es ist, auch im hohen Alter noch mal Verantwortung zu übernehmen und neue Freundschaften zu schließen. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn seit die drei selbst im Elternalter waren, hat sich eine ganze Menge verändert. Da sind Erdnussallergien und Globuli-Tropfen noch das geringste Übel…

Das Phänomen der Leih-Großeltern ist hierzulande bisher kaum bekannt, erweist sich aber durchaus als aktuelles Thema. Erst in diesem Jahr eröffnete die erste deutsche Website, über die Menschen im Großeltern-Alter ihre Dienste in der Kinderbetreuung anbieten und hilfsbedürftige Familien auf der anderen Seite nach Unterstützung suchen können. In „Enkel für Anfänger“ geht dieser Prozess noch analog vonstatten. Groos führt drei Familien – die Öko-Eltern Antje (Paula Kalenberg) und Tobias (Tim Oliver Schultz), eine allein erziehende Mutter (Palina Rojinski) sowie eine moderne Patchwork-Family (Lavinia Wilson und Dominick Raacke) – mit den unerfahrenen „Aushilfsgroßeltern“ zusammen und entspinnt auf der Leinwand eine gleichermaßen hochamüsante wie tief emotionale Aneinanderreihung familiärer Ausnahmesituationen. Doch was wie eine Nummernrevue klingt (und der Trailer fälschlicherweise auch ein wenig so ankündigt), ist in Wirklichkeit ein herzergreifendes Plädoyer für die Mannigfaltigkeit des Generationen übergreifenden Familiengedankens.

Im Jahr 2019 ist „Vater, Mutter, Kind“ längst nicht mehr das anzustrebende Lebensideal, stattdessen ist Glück individuell. Wolfgang Groos bringt diese Erkenntnis mit seinem „Enkel für Anfänger“ vortrefflich auf den Punkt, trifft in seiner bisweilen episodenhaft erzählten Geschichte stets den richtigen Ton und schreckt dabei auch nicht vor derberem Humor zurück. Hier nimmt eben keiner ein Blatt vor den Mund, auch wenn er das Herz eigentlich am rechten Fleck hat. Dieser Film gehört mit der ganzen Familie genossen!