FreeheldJede Liebe ist gleich

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Freeheld - 2015 Filmposter

Wahre Geschichten liegen schwer im Trend - aus dem echten Leben stammt auch dieses bewegende Drama um eine verdiente US-Polizistin, der nach einer schweren Erkrankung die Pension für ihren Lover verweigert wird, denn ihr Lebenspartner ist eine Frau. Lesbische Liebe in der Provinz? Da müssen erst muffige Vorurteile überwunden werden, um Akzeptanz und Gerechtigkeit zu erreichen. Doch gemeinsam ist man stark. Coming-Out-Story trifft auf Krebs-Melodram – das könnte leicht zur botschaftsplumpen Kitschpostkarte geraten. Doch Entwarnung! Die sensible Tonlage fällt so stimmig aus wie das plausible Figurenkabinett. Julianne Moore und Ellen Page bleiben ihrem exzellenten Ruf verlässlich treu. So unterhaltsam und berührend kann cineastische Aufklärung jenseits des Nischenmarktes sein!

In ihrem Job als Cop macht Laurel Hester (Julianne Moore) niemand etwas vor. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Kollegen Dane (Michael Shannon) sorgt sie auf den Straßen souverän für Recht und Ordnung. Zimperlicher führt Laurel ihr Privatleben, von ihrer sexuellen Orientierung soll niemand etwas erfahren, selbst Dane ahnt nicht, dass seine Kollegin lesbisch ist. Beim Sport begegnet die Polizisten der jungen Automechanikerin Stacie (Ellen Page). Aus dem kleinen Flirt ergibt sich die große Liebe. Als die Polizistin beim ersten Date in einer Schwulenbar zufällig einen jungen Kollegen aus ihrem Revier entdeckt, flieht Laurel fast panisch aus dem Lokal. Als sie zu Hause einen dienstlichen Anruf bekömmt, erklärt sie die kichernde weibliche Stimme im Hintergrund mit dem Besuch ihrer Schwester. „In der Polizei haben Frauen keine Chance, Lesben schon gar nicht“, begründet sie der verwunderten Stacie ihr Verhalten.

Das ständige Versteckspiel gehört jedoch alsbald zur Vergangenheit. Das verliebte Paar lässt seine Partnerschaft offiziell eintragen und zieht in ein gemeinsames Haus. Auch gegenüber ihrem Kollegen Dane wagt Laurel nun endlich ihr Coming-Out. Doch dann weicht das neue Glück jäh einem schweren Schicksalsschlag. Bei Laurel wird völlig überraschend Lungenkrebs im Endstadium festgestellt. Damit ihre junge Partnerin das gemeinsam Haus behalten kann, will die sterbenskranke Polizistin ihr die Pension überschreiben. Was bei Verheirateten eine Selbstverständlichkeit wäre, wird dem Lesben-Paar verweigert. Wie zum Hohn wird die Diskriminierung vom zuständigen Stadtrat mit moralischen Bedenken begründet. Für Laurel und Dane beginnt damit ein mühseliger Kampf gegen Windmühlen. Erst als nationale Schwulen-Aktivisten den Fall medienwirksam aufgreifen und sich schließlich auch ihre Cop-Kollegen nach ziemlichem Zögern ihre Solidarität mit dem Paar bekunden, erlebt die Gerechtigkeit ihren späten Triumph.

Die berührende Geschichte der Laurel Hester war 2007 bereits Thema einer 40minütigen Dokumentation, die prompt mit dem Oscar auszeichnet wurde. Dem preisgekrönten „Philadelphia“-Drehbuch-Autor Ron Nyswaner gelingt die Adaption zum Spielfilm mit souveränem Gespür für die richtige Tonlage bei dem kitschverdächtigen Thema. Nicht minder stimmig fällt das plausible Figurenkabinett aus, das gängige Klischeefallen gekonnt umgeht und die Typen mit Ecken und Kanten versieht. Da wird der hyperaktive Schwulenaktivist (grandios Steve Carell) in seiner penetranten Selbstgefälligkeit lässig zurechtgestutzt, ein junger Cop kämpft nachvollziehbar mit den Ängsten vor dem Outing derweil sein homophober Kollege immerhin ein bisschen sein Kotzbrocken-Image ablegt.

Umgeben von solch schillernden Nebenfiguren bietet sich den Heldinnen eine perfekte Bühne. Ellen Page, die durch ihr eigenes Outing im Vorjahr zur gefeierten Lesben-Ikone wurde, gibt die resolute Automechanikerin mit jener bewährten Mischung aus Naivität, Trotz und Sensibilität, die ihr einst bei „Juno“ eines Oscar-Nominierung einbrachte. Mit bestechender Souveränität bestätigt Julianne Moore einmal mehr, mit wie viel Wahrhaftigkeit sie die Rolle der Sterbenskranken balanciert, ohne dabei in Gefühlsduseligkeiten abzustürzen. Eine oscarreife Darbietung, die nach dem vorjährigen Academy Award für „Still Alice“ diesmal freilich chancenlos bleiben dürfte. Für den Film selbst stehen die Sterne weitaus besser: Der Kampf der Laurel Hester um Gleichberechtigung gilt als Meilenstein zur Legalisierung der Homo-Ehe, die im Juni 2015 vor dem höchsten US-Gericht bestätigt wurde. Das gelungene filmische Denkmal wird Oscar kaum übersehen.