Holy Meat
Deutschland | 2024 | FSK 12

Fleisch und Körper spielen in der katholischen Kirche auf vielfältige Weise eine Rolle – in der christlichen Liturgie ebenso wie im Kontext des Missbrauchs, der seit Jahren die Diskussionen über die Institution prägt. In ihrem Debütfilm HOLY MEAT umkreist Alison Kuhn genau diese Themenfelder und inszeniert eine groteske Satire.
Ausgangspunkt ist eine dörfliche Laieninszenierung der Passion Christi, die zunehmend aus dem Ruder läuft und schließlich in einem blasphemischen Rave endet. Dabei treffen drei Figuren aufeinander, die kaum unterschiedlicher sein könnten: der aus der Berliner Off-Theater-Szene gecancelte Regisseur Roberto, die junge Metzgerin Mia, die plötzlich die Vormundschaft für ihre Schwester mit Down-Syndrom übernimmt, und Pater Oskar Iversen, der seiner dänischen Inselgemeinde aus rätselhaften Gründen den Rücken gekehrt hat. In seiner neuen Pfarrei im schwäbischen Winterlingen steht die Gemeinde kurz vor der Auflösung. Da Oskar unter keinen Umständen nach Dänemark zurückkehren kann, setzt er alles auf eine Karte und versucht, den theaterbegeisterten Erzbischof mit einem spektakulären Passionsstück vom Fortbestand der Kirche zu überzeugen.
HOLY MEAT ist skurril, unbequem, aber überraschend warmherzig. Als liebevoll beobachteter Heimatfilm mit schrägen Figuren, trockenem Humor und einem sicheren Gespür für die schwäbische Provinz entfaltet der Film Charme und öffnet einen Raum für Diskussion, statt sie mit dem Vorschlaghammer zu erzwingen.


