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Jean SebergAgainst all Enemies

AWARDS: Venedig 2019

Infos Vorführungen

Jean Seberg - 2019 Filmposter
Vorführungen
Metropol
  • So27.09.
  • Mo28.09.
  • Di29.09.
  • Mi30.09.
  • Do01.10.
  • Fr02.10.
  • Sa03.10.
  • So04.10.
  • Mo05.10.
  • Di06.10.
  • Mi07.10.
  • Do08.10.
Informationen

Als ebenso zerbrechliche wie eigensinnige und zugleich selbstbestimmte Frau prägte die amerikanische Schauspielerin Jean Seberg in Godards Nouvelle Vague Klassiker „Außer Atem“ ein völlig neues Bild von Weiblichkeit. Das semi-biografische Porträt des australischen Regisseurs Benedict Andrews wirft nun einen Blick auf ihr bislang wenig beleuchtetes Engagement als politische Aktivistin, unter anderem für die Black Panther Bewegung, und die daraus resultierende erbitterte Verfolgung durch die amerikanische Bundespolizei, die Seberg mutmaßlich das Leben kostete.

Eine junge Frau steht in Flammen und schreit vor Schmerz um ihr Leben, die Haare sind abgeschoren und ihre Hände gefesselt. Eigentlich sollte dies nur eine Filmszene in Otto Premingers „Die heilige Johanna“ sein, doch aufgrund einer Unachtsamkeit beim Set verbrennt sich die gerade erst achtzehn Jahre alte Schauspielerin tatsächlich und wird schwer verletzt. Mit diesen eindringlichen Bildern setzt Benedict Andrews filmische Biografie bereits den Ton für die Dramatisierungen der Lebensgeschichte Sebergs, als einer Frau, die ungerechtfertigterweise viel Leid ertragen musste aber sich auch zur Wehr setzte.

Als sie im Jahr 1968 in Frankreich bereits zur Ikone einer neuen Generation von Filmemachern aufgestiegen ist, reist Jean Seberg (Kristen Stewart) zu einem Vorsprechen nach Hollywood. Auf dem Flug nach Los Angeles lernt sie den schwarzen Aktivisten Hakim Jamal (Anthony Mackie) kennen, der als enger Vertrauter von Malcom X in die Black Panther Bewegung involviert ist. Als sie sich öffentlich solidarisch zeigt, gerät sie unwillkürlich ins Visier des FBIs unter Edgar Hoover, dem sie allein schon durch ihr progressives Auftreten ein Dorn im Auge ist. Die Schauspielerin nutzt ihr Vermögen, das sie in Frankreich als Filmstar erworben hat, ganz offen für Spenden an Organisationen der Bürgerrechtsbewegung. Ihre finanzielle Unterstützung der Black Panther Bewegung führt schließlich zu einem rücksichtslosen Eingriff in ihre Privatsphäre durch die Polizei.

Hier führt Andrews Film die fiktive Figur eines jungen FBI-Agenten (Jack O’Connell) ein, um den Zuschauern einen weiteren Blick auf Seberg zu geben, der zwischen zerstörerischem Voyeurismus und uneingestandenem Begehren schwankt. Agent Solomon, der gerade versucht sich ein mittelständisches Reihenhausleben mit seiner schwangeren Ehefrau aufzubauen, gerät zunehmend in den Sog der Emanzipation, die Seberg in faszinierender Nonchalance ausstrahlt. Der Eigensinn, mit dem die junge Frau sich kleidet, ihre Liebhaber pflegt und sich für die Rechte der Unterdrückten engagiert, stellt Solomons Weltbild auf den Kopf. Doch die meisten seiner Kollegen wehren solche Gefühle durch Gehässigkeiten und Erniedrigungen ab, die sie Seberg unerkannt zumuten können. So werden Zeitungsartikel fingiert, die ihren Ruf schädigen und kompromittierende Fotos ihrer Affären an die Öffentlichkeit gebracht. Unter dem Druck der Presse gerät die junge Frau zunehmend in eine schwere psychische Krise.

Benedict Andrews engagiertes Porträt bleibt zwar inszenatorisch gesehen etwas konventionell, doch das eindringliche Spiel von Kristen Stewart weiß dafür umso mehr zu überzeugen. Zornig, engagiert und zunehmend verletzlich, zeigt sie, wieviel projektivem Hass gerade Frauen oft ausgesetzt sind, wenn sie sich als öffentliche Personen nicht den stereotypen Erwartungen fügen. Auch darüber gewinnt der Film eine bedrückende Aktualität. Zugleich gibt er einen sehenswerten Einblick in die Hintergründe des geheimen FBI-Programms „COINTELPRO“, unter dem zwischen 1956 und 1971 als subversiv bewertete Personen oftmals in illegalen Aktionen überwacht und systematisch diskreditiert wurden.

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