La Mélodie – Der Klang von ParisDer Klang von Paris

Filmfestspiele Venedig 2017

Trailer Infos Vorführungen

La Mélodie 2016 Filmposter

Als fröhlicher Briefträger, der gerne mal einen zuviel hebt, ist uns Kad Merad aus „Willkommen bei den Sch’tis“ noch gut in Erinnerung. Dass er aber auch ernst kann, bewies er auf dem Filmfest Venedig, wo er in Rachid Hamis Spielfilmdebüt den Violinisten Simon Daoud spielt, der beinahe an der Herausforderung zerbricht, einer Schulklasse in der Pariser Banlieue das Geigenspiel nahezubringen.

Eigentlich ist Simon Konzert-Musiker, doch da er derzeit keine größeren Engagements hat, lässt er sich vom Schulministerium anwerben, um an einer Schule in der Pariser Banlieu benachteiligten Schülern das Geigenspiel beizubringen. Die Aktion geht zurück auf eine Initiative der Pariser Philharmonie, die jedes Jahr Schüler mit Instrumenten ausstattet und sie von einem Musiklehrer ausbilden lässt, um am Ende ein Konzert in der Philharmonie zu geben.

Simon hat sich „Scheherazade“ von Nikolai Rimski-Korsakow ausgesucht, das er mit den Schülern einstudieren will. Doch als er vor die Klasse tritt, trifft er auf den Hass und Zorn einer Generation, die sich ausgegrenzt fühlt und in der Schule längst keinen Sinn mehr sieht, weil sie ihr Schicksal in dieser Gesellschaft für vorbestimmt hält. Trotz dieses rauen Umfelds nimmt Simon die Herausforderung an. Pädagogisch begleitet vom Klassenlehrer Farid beginnt er den jungen Leuten das Geigenspiel beizubringen, doch seine Vorstellungen von Disziplin, Fleiß und Leidenschaft lassen einen Rückschlag auf den anderen folgen, bis Simon einmal die Hand ausrutscht. Das gibt nicht nur Ärger mit den Eltern und dem Rektor, sondern stürzt ihn auch in eine tiefe Krise, die ihn immer wieder vor die Frage stellt, ob er für diesen Job überhaupt geeignet ist.

Wahrscheinlich hätte er hingeworfen, wäre da nicht der kleine Arnold, der – schüchtern und übergewichtig – eher ein Außenseiter in der Klasse ist. Für ihn ist seine neue Geige seine beste Freundin, er übt Tag und Nacht, nimmt sie sogar mit ins Bett, und seine Mutter weiß gar nicht so genau, ob sie das gut oder schlecht finden soll. Simon jedenfalls hatte dessen Talent schon von Anfang an erkannt und dem Jungen seine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt, doch nun erkennt er, dass er auch die anderen Schüler mitnehmen muss, und da zählt eben nicht Genauigkeit und Perfektion, sondern das Gemeinschaftserlebnis und die Freude an der Musik. Mit diesem neuen Ansatz klappt es besser, denn als den Schülern die ersten Musikpassagen gelingen, stellt sich ein ungeheures Gemeinschaftsgefühl ein. „Musik kennt keine Grenzen“, das wird hier bald deutlich, denn egal ob du arm bist oder dick, Musik machen kann jeder und das auch über sprachliche Schranken hinweg.

Mit LA MÉLODIE ist dem französischen Regisseur Rachid Hami ein bewegender Erstlingsfilm über die Kraft der Musik und über die Bedeutung kultureller Bildung für die kindliche Persönlichkeitsentfaltung gelungen. Und Kad Merad läuft in dieser für ihn eher ungewöhnlichen Rolle zur Hochform auf. Selbst in der Banlieu aufgewachsen, gelingt ihm eine ungeheuer tiefgreifende und intensive Performance von höchster Authentizität. „In der Banlieu spielen Sport und Musik eine große Rolle. Kunst, insbesondere Musik, kann Türen öffnen. Sie ist global, hat keine Sprachgrenzen, eröffnet Horizonte und gibt Hoffnung.“, erklärte er auf der Pressekonferenz in Venedig. Und auf die Frage, wieso er ein ebenso guter Schauspieler wie Komödiant ist, antwortete er lapidar: „Ich bin halt Schauspieler.“ und zog anschließend seinen Hut vor dem gerade verstorbenen Jerry Lewis, der ein ebenso großer Komiker wie Charakterdarsteller war und damit zeitlebens sein großes Vorbild.

Galerie