Lady Macbeth
GBR | 2016 | FSK TBA
Filmfest München 2017

"Die Lady Macbeth von Mzensk" des russischen Schriftstellers Nikolai Leskov war unter Stalin als zu subversiv und skandalträchtig in der Sowjetunion verboten. William Oldroyd adaptiert die Geschichte und fädelt neben der Genderthematik auch geschickt Fragestellungen zu Rassismus mit ein.
England 1856: Katherine (Florence Pugh) ist jung und schön. Sie wird an den deutlich älteren Alexander (Paul Hilton) verheiratet, einem mürrischen, sexuell labilen Mann. Unter ihm und seinem despotischen Vater muss die frisch Vermählte ihre Tage in der Tristesse des kargen Heims verbringen, das sie nicht verlassen darf. Als ihr Gatte zu einer längeren Reise aufbricht, beginnt sie eine leidenschaftliche Affäre mit einem aufmüpfigen Gutsarbeiter. Um dieser Liebe willen ist sie bereit, ihren Schwiegervater zu eliminieren und schreckt schließlich auch vor nichts zurück, als Alexander von seiner Reise zurückkehrt und ihr Geheimnis entdeckt.
Ästhetisch präzise und hervorragend gespielt ist dieses minimalistisch inszenierte Drama, das einem die Gefangenschaft der Protagonistin erst in statischen Bildern verdeutlicht, die nach der Erweckung aus ihrer Lethargie schließlich regsam werden. Ganz auf Florence Pugh ist alles zugeschnitten, die die radikal Liebende mit dem wachsenden eisernen Willen meisterhaft verkörpert. Dass essentielle Nebenrollen mit farbigen Schauspielern besetzt sind, verleiht der elektrisierenden Geschichte über weibliche Selbstbestimmung zusätzliche Aktualität.