Wo in Paris die Sonne aufgeht

Cannes 2021

Infos Vorführungen

Olympiades_Plakat
Informationen

Für seinen neuen Film hat Jacques Audiard mit Céline Sciamma zusammengearbeitet, die man für ihre leisen Töne aus PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN kennt. Doch die beiden können auch anders. In einem Schwarzweiß-Film, der auf den Graphic Novels des New Yorker Cartoonisten Adrian Tomine beruht, erzählen sie in drei lose miteinander verbundenen Geschichten vom Leben und der Liebe junger Menschen, die in der Hochhaussiedlung Les Olympiades (so der Originaltitel) leben.

Dieses ehemalige Arbeiterviertel gilt auch als „asiatisches Viertel“, wo die Protagonisten dicht gedrängt, zwischen Sehnsüchten, Abenteuern und Dramen leben: Émilie schlägt sich nach ihrem Elite-Studium mit billigen Gelegenheitsjobs herum, hat schnellen Sex und träumt von einer Beziehung; Camille hat als junger Lehrer beruflich noch Illusionen, dafür keine in der Liebe und Nora ist in die Stadt gekommen, um ihrer Vergangenheit zu entfliehen und mit Anfang Dreißig ihr Jura-Studium wieder aufzunehmen und Louise bietet als Amber Sweet im Internet erotische Dienste gegen Bezahlung an – drei Frauen, ein Mann.
Ihre Lebenswege kreuzen sich im 13. Arrondissement in Paris. Der attraktive Camille zieht bei Émilie als Mitbewohner ein, wird ohne Umschweife ihr Liebhaber und zieht ebenso schnell wieder aus. Liebe ist angeblich nicht sein Stil – bis er die kühle Nora trifft. Noras Hoffnungen auf einen akademischen Neuanfang in Paris haben sich unterdessen zerschlagen: Nach einer wilden Disco-Nacht wollen Kommilitonen in ihr den Pornostar Amber Sweet wiedererkennen. Noras Zukunftsträume wanken. Sie muss die süße Amber nun unbedingt persönlich kennenlernen.
Jacques Audiard zementiert hier seinen Ruf als Meister des amoralischen Erzählens vom menschlichen Ringen um Liebe, Selbstbehauptung und Freiheit. Selten wurde im Kino mit solch anarchischer Schönheit gesucht, gerungen und geliebt. Mit seinem modernen Liebesreigen in Zeiten von Dating Apps und Sex im Internet erschafft Audiard einmal mehr unvergleichliche Filmkunst. Rohe Poesie des Lichts in Zeiten der Dunkelheit. Geschickt lässt er sich die Kurzgeschichten immer wieder überschneiden, so dass bald daraus ein einzige lange Geschichte wird. Seine grobkörnigen Schwarzweiß-Bilder zeigen uns einen Stadtteil jenseits des touristischen Paris. Die Geschichten spielen fast ausschließlich in Hochhäusern und werden zum Porträt einer Generation von Thirtysomethings, die in der Banlieue geboren sein könnten und es bis hierhin geschafft haben.

Galerie
mehr