Liberace Zuviel des Guten ist wundervoll
Vereinigte Staaten | 2013 | FSK 12
Cannes 2013

Ein Fernsehfilm im Wettbewerb des prestigeträchtigsten Filmfestivals der Welt? Als Steven Soderbergs „Behind the Candelabra“ im Programm von Cannes auftauchte, herrschte Verwunderung. Doch nach den ersten Screenings war allen klar, dass dieser Film nicht nur absolut kinotauglich ist, sondern gar das Potential zu einem Hit hat. Glücklicherweise hat auch der deutsche Verleih DCM dies erkannt, und bringt nun das von Michael Douglas und Matt Damon furios gespielte Biopic über das Leben des exzentrischen Pianisten und Entertainers Liberace - in den USA in den 60er und 70er Jahren ein Superstar wie heute Madonna oder Lady Gaga - in unsere Kinos.
Für Michael Douglas ist dieser Film eine Art Wiedergeburt und auf der Pressekonferenz in Cannes zeigte er sich auf dem Podium äußerst bewegt darüber, dass ihm diese Rolle so kurz nach der Überwindung seiner Krebserkrankung angeboten wurde. Tatsächlich läuft Douglas hier zur Hochform auf, wenn er dem Star-Pianisten und glamourösen Entertainer Gestalt verleiht. Soderbergh erzählt aus der Perspektive von Liberaces persönlichen Assistenten Scott Thorson – basierend auf dessen autobiografischen Roman – der für einige Jahre sein heimlichen Liebhaber war. Denn Liberace war schwul, bekannte sich jedoch angesichts des homophoben Klimas in seinem Heimatland nicht öffentlich zu seiner Homosexualität, führte sogar verschiedene erfolgreiche Prozesse gegen die immer wiederkehrenden angeblichen Verleumdungen.
Soderbergh zeichnet die rund fünfjährige Beziehung zwischen dem schwerreichen Publikumsliebling und dem von Matt Damon ebenfalls grandios gespielten Jungen aus der Provinz nach. Der als Pflegekind aufgewachsene Scott sieht in Liberace auch eine Art Ersatzvater. Doch obwohl der ihm wirklich Zuneigung entgegenbringt, mutiert Scott zunehmend zu einem weiteren seiner Schoßhündchen. Er lässt sich von ihm sogar zu einer Gesichtsoperation überreden, die ihn in das Spiegelbild des jungen Liberace verwandeln soll. Allmählich dämmert Scott, dass seine Persönlichkeit immer mehr hinter dem überdimensionalen Ego seines Protegés zu verschwinden droht. Doch seine Auflehnungsversuche versanden und er driftet zunehmend in Alkohol- und Drogensucht ab. Schließlich muss er einem Jüngeren weichen. Nach einem jahrelangen finanziellen Rechtsstreit zwischen den beiden stirbt Liberace schließlich 1987 an AIDS.
Mit einer Ausstattung, die ihresgleichen sucht, lässt Soderbergh die Glamour-Welt des Las Vegas der siebziger Jahre wieder auferstehen. Dabei brennt er ein wahres Feuerwerk ab, was dem Film den passenden Untertitel „Zu viel des Guten ist wundervoll“ einbrachte. Darüber hinaus weiß er mit Ironie und viel Unterhaltung zu punkten, ohne dabei die Tragik dieser gescheiterten Liebe aus dem Auge zu verlieren.
Vergeblich hatte Soderberg versucht, ein Studio zu finden, das bereit war, seinen Film zu produzieren und in die US-Kinos zu bringen. Zu schwul lautete die Diagnose. Schließlich nahm sich der renommierte Bezahlsender HBO des Werkes an. Auch in diesem Jahr wird der stets für seine Produktionen mit Preisen überhäufte Sender wohl nicht leer ausgehen. „Liberace“ ist gleich 15 Mal für den begehrten Emmy nominiert. //Anne Wotschke.



