Licorice Pizza

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licorice pizza - 2022 - poster
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Ist das schon die Midlife Crisis? Oder doch eher eine Form der Gelassenheit, die mit dem Älter werden kommt? Als radikaler Regisseur gestörter Männlichkeit war Paul Thomas Anderson bislang bekannt, sein neunter Spielfilm LICORICE PIZZA zeigt ihn nun in einem Maße entspannt wie man es nicht gekannt und auch nicht erwartet hat. Radikale, oft verstörende Filme wie MAGNOLIA, THERE WILL BE BLOOD oder BOOGIE NIGHTS etablierten Anderson als einen der originellsten amerikanischen Regisseure der Gegenwart, doch auch der unruhigste Geist kommt irgendwann zur Ruhe.

Unverhohlen sentimental und sonnendurchflutet ist die Welt der frühen 70er Jahre von der Anderson in seinem neunten Film erzählt, lose auf den Erlebnissen von Gary Goetzman basierend, der damals ein angehender Kinderstar war und inzwischen zusammen mit Tom Hanks eine Produktionsfirma betreibt. In LICORICE PIZZA wird er von Cooper Hoffmann gespielt, dem Sohn des viel zu jung verstorbenen Philip Seymour Hoffmann. Der noch zur Schule gehende Gary, der gerade einmal 15 Jahre alt ist, hat schon erste Erfahrungen beim Film gesammelt. Doch die Pubertät ist gnadenlos, Pickel und Pfunde machen weitere Auftritte vor der Kamera wenig wahrscheinlich und so hat der umtriebige Gary anderes im Sinn: Erst sind es Wasserbetten, die er verkaufen will, später betreibt er einen Spielsalon, man ist schließlich in Amerika, wo jeder seines Glückes Schmied ist. Was auch für die Liebe gilt und so scheut sich Gary nicht, mit Alana (Alana Haim) ins Gespräch zu kommen, die allerdings 25 ist und somit viel zu alt für den Teenager. Dennoch entsteht zwischen dem ungleichen Duo schnell eine große Nähe, die Paul Thomas Anderson in losen Episoden einen Sommer lang beobachtet. Genauer gesagt den Sommer von 1973, als die Ölkrise das autosüchtige Los Angeles fast lahmlegte, was zu der amüsanten Episode führt, in der der zukünftige Superproduzent Jon Peters (Bradley Cooper) mit weißem Anzug und toupierten Haaren seinen Benzinkanister zu füllen versucht. Auch sonst tauchen echte oder lose verklausulierte Größen der Filmindustrie auf, meist in wenig positivem Licht, was der Faszination, die die Traumfabrik damals wie heute in vielen Menschen auslöst, einen deutlich Spiegel vorhält. 

In LICORICE PIZZA entwirft Anderson fast beiläufig ein Sittenbild, das Sexismus und Rassismus sowie Vorurteile gegenüber Minderheiten und Andeutungen von Gewalt zeigt. Alles schlummernd unter einer schönen glatten Oberfläche. In den besten Momenten funktioniert das gleichzeitig als Hommage an eine Ära und einen Ort, die aber gleichzeitig auch andeutet, wie verklärt dieser Blick ebenfalls ist. Vor allem aber ist LICORICE PIZZA das, was Andersons Freund und Kollege Tarantino einmal einen Hang Out-Film genannt hat: Einen Film, mit dem man so gerne Zeit verbringt, wie mit guten Freunden. Ein Film, der nicht durch eine besonders dichte oder gar spannende Handlung besticht, sondern Szenen aneinanderreiht, Figuren beobachtet, skurrile Momente zeigt, die für sich genommen amüsant sind, als Ganzes einen Mikrokosmos entwerfen. Das mag in keinem Moment so ambitioniert wirken wie Andersons frühere Filme, hat aber einen ganz eigenen, sehr entspannten Reiz.

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