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VorschauSTART | 17.06.2021

May, die dritte Frau

AWARDS: ausgezeichnet in San Sebastián 2018

Infos Vorführungen

May, die dritte Frau - 2021 Poster
Vorführungen
Bambi
  • Fr18.06.
  • Sa19.06.
  • So20.06.
  • Mo21.06.
  • Di22.06.
  • Mi23.06.
  • Do24.06.
  • Fr25.06.
  • Sa26.06.
  • So27.06.
  • Mo28.06.
  • Di29.06.
Informationen

Vietnam, Ende des 19. Jahrhunderts: Die 14-jährige May reist auf einem Boot den Fluss hinauf zu ihrem neuen Ehemann, dem reichen Gutsbesitzer Hung. Auf der ländlichen Seidenfarm beginnt ihr neues Leben in seiner Großfamilie, zu der auch Hungs Ehefrauen Ha und Xuan und deren Kinder gehören. Mays Aufgabe und Hoffnung ist es, einen Sohn zu bekommen. Nur so kann sie in der Familie Ansehen erlangen.

Streng aus der Sicht der drei Ehefrauen wird hier ihr Leben auf der Seidenfarm ihres reichen  Ehemannes und Grundbesitzers Hung beschrieben. Die Frauen erfüllen genau festgelegt Aufgaben im Haushalt und der Kindererziehung, ihre wesentlichste ist es aber, ihrem Herrn und Ehemann zur Freude zu gereichen und ihm einen Sohn zu schenken. Da letzteres bisher nicht geklappt hat, hat Hung gerade die 14-jährige May zu seiner dritten Frau genommen.

Doch Hung kommt in diesem Film nur selten vor, vielmehr betrachtet er das Verhältnis der Frauen untereinander, das ausgesprochen liebevoll und solidarisch ist. So führen die beiden Ehefrauen Ha und Xuan die unerfahrene May behutsam in die Alltagsrituale und strikten Familienregeln ein und stehen ihr mit schwesterlichem, fast zärtlichem Rat in ihrer neuen Rolle als Ehefrau bei. Im Zentrum steht jedoch die junge May, die ihr sexuelles Erwachen erlebt und mit einer Schwärmerei für Xuan einen schwierigen Weg beschreitet, auf dem sie mehr als nur ihre eigene Stimme findet. Im Bambushain entdeckt sie ein gut behütetes Liebesgeheimnis, das schon bald das Haus Hung zu erschüttern droht. 

Basierend auf der eigenen Familiengeschichte eröffnet Regisseurin und Drehbuchautorin Ash Mayfair den Blick auf gesellschaftliche Traditionen im Vietnam des 19. Jahrhunderts, auf Polygamie und arrangierte Ehen. Ihr Film ist ein filigranes Porträt des Alltagslebens dieser Familie, das liebevoll ja beinahe poetisch erzählt, besonderen Wert auf die Kleinigkeiten des Alltags legt. Dabei sticht insbesondere die fantastische Kameraarbeit hervor, die betörende Bilder ohne künstliches Licht einfängt, und das nicht nur von den üppigen Berglandschaften Nordvietnams, sondern auch von der Seidenfarm. So sehen wir die Raupen bei der Arbeit, wie sie Seide spinnen, die sie zu einem filigranen Kokon verknüpfen, eine Metapher für die ähnlich komplex verknüpften familiären Strukturen, die das Funktionieren des Familienverbandes erst ermöglichen. Nur manchmal, wenn die Kamera zu lange auf den Körpern der jungen Frauen verharrt oder ihrem Liebesspiel beinahe schüchtern folgt, gibt der Weichzeichner dem Geschehen eine zu exotische Note. Ansonsten ist aber alles picobello auf dieser Farm. Kaum vorstellbar, dass es zum Ende des 19 Jahrhunderts, wo es weder Strom noch fließend Wasser gab, ein solch hoher   Standard an Reinlichkeit und Schönheit erreicht werden konnte. 

MAY ist der erste vietnamesische Film unter weiblicher Regie, gedreht mit einer überwiegend weiblichen Crew. In seiner Poesie erinnert er an DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA, einem ähnlich sinnlichen Film aus Vietnam, der vor knapp 30 Jahren in den Programmkinos reüssierte. Während es damals  ums Essen, um Geschmäcker, Düfte und Gewürze ging, die unsere Sinne betören und den harten Alltag einer Hausangestellten in Saigon kontrastierten, ist MAY ein starker Frauenfilm über Frauen, Mädchen und Menschenrechte, überall auf der Welt.