Memory Hotel
Deutschland, Frankreich | 2024 | FSK 12

Stop-Motion-Sozialismus: Kunstvoll traumartiges Puppenspiel über die Zeit der sowjetischen Besatzung mit prominenten Sprechern und hochaktuellen satirischen Seitenhieben.
In den Wirren der letzten Tage des zweiten Weltkriegs sucht eine Flüchtlingsfamilie Zuflucht in einem verlassenen Hotel, in dem sich leider auch schon ein Nazi-Offizier versteckt. Als die rote Armee das Hotel stürmt, ist von der Familie nur noch ein kleines Mädchen übrig, und die Soldaten nehmen sich ihrer an. Jahre später ist das Hotel ihr Stützpunkt und das Mädchen ihre Köchin. Sie kennt nur ihre industriell durchorganisierte Küche und ahnt genauso wenig wie die Soldaten, dass sich im Haus noch jemand versteckt, der sie schon die ganze Zeit heimlich liebt…
25 Jahre lang hat der deutsche Regisseur Heinrich Sabl an seinem Opus Magnum gearbeitet: einem theatralisch-poetisch anmutenden Kunstwerk aus klassischer Stop-Motion-Animation, ästhetisch irgendwo zwischen Kafka und den hässlichen Fratzen der Neuen Sachlichkeit. Die entrückt verträumte Geschichte erinnert ein bisschen an Veit Helmer (TUVALU) und ist zugleich satirische Parabel auf die deutsche Nachkriegsgeschichte mit aktuellen Seitenhieben (etwa, wenn aus den ranghohen Nazis von gestern die Großkapitalisten von morgen werden). Keine leichte Kost, aber schon allein formal ziemlich einzigartig.


