Notre-Dame in Flammen

Filmfest München

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Dieses späte Meisterwerk von Jean-Jacques Annaud läuft in Frankreich und Benelux seit Anfang des Jahres, in Deutschland ist aber nur eine DVD-Auswertung geplant. Deutschland-Premiere feierte der Film gerade auf dem Filmfest München und auch wir dürfen ihn kurz im Kino zeigen. Denn dieses spektakuläre Feuerwerk gehört auf die große Leinwand.

Erfolgsregisseur Jean-Jacques Annaud (DER NAME DER ROSE, DER BÄR, SIEBEN JAHRE IN TIBET) zeichnet hier die Ereignisse vom 15. April 2019 nach, als die berühmte Kathedrale in Paris den größten Brand ihrer Geschichte überleben musste. Seine packende Rekonstruktion schildert die fatalen Zufälle und das unfassbare Versagen, die zu der Katastrophe führten – vor allem aber die riskante, heldenhafte Rettung von des Parise Wahrzeichens und ihrer Reliquien durch Männer und Frauen, die dafür ihr Leben aufs Spiel setzen mussten.

Q&A mit J.J. Annaud:
“Es lief alles gemäß Murphy’s Law: Was schief gehen kann, ging auch schief. Zunächst der Alarm, den niemand ernst nahm, dann die Feuerwehrleitstelle, die Anrufern nicht glaubt. Als sie Löschfahrzeuge endlich ausrücken, stehen sie im Stau, Baustellen behindern die Zufahrt. Die Wasserleitungen an der Kirche sind undicht, die verlegten Schläuche werden von herabfallenden, brennenden Teilen zerstört. Aber es gibt auch Positives. “Niemand ist bei der riskanten Rettungsaktion zu Schaden gekommen und die meisten und wichtigsten Schätze konnten gerettet werden,” erzählte der Erfolgsregisseur auf dem Filmfest München .
Für Annaud ist das ein grandioser Filmstoff. Er hat eine „most famous Lady“ als Hauptdarstellerin und mit dem Feuer einen starken Gegenpart, und so machte er sich daran, die Vorgänge vom April 2019 minutiös zu rekonstruieren. Dafür musste erst einmal alles hergestellt werden, was im Film den Flammen zum Opfer fallen sollte. Außerdem fand er zwei Doubles für seine Hauptdarstellerin, die er ja nicht noch einmal abbrennen konnte. Nur einige Hintergrundaufnahmen sind Computer Generates Images (CGI). Ansonsten verwendete er auch Archivmaterial, Zeugenvideos und einige Hintergrundaufnahmen wurden im Studio erstellt.

Als Double für Notre-Dame fungieren die romanische Kirche Saint-Paul in Sancès, wo alle Szenen von oben herab und die Kathedrale von Bourges, wo umgekehrt, alle Szenen von unten herauf gedreht wurden. Weitere Aufnahmen entstanden in der Basilika Saint-Denis in Paris. Annaud kennt all diese Kirchen schon seit seiner Kindheit, besitzt sogar eine Sammlung mit Fotos von Kirchen aus ganz Frankreich. Sonderlich gläubig ist er nicht, aber dennoch ist er fasziniert von diesen Gebäuden, die für viele Menschen wichtig sind, weil sie nur mit der Realität und ohne Glauben nicht klar kämen.
Notre-Dame ist für Annaud nicht nur das Symbol von Paris oder des Katholizismus, es ist ein Symbol für die Menschen in Europa und der ganzen Welt, was auch die weltweite Solidarität beweist. So erklärt er sich auch die weltweite Anteilnahme an dieser Katastrophe. Alle haben an diesem Abend mit Tränen in den Augen vor den Fernsehern gesessen und konnten es nicht fassen. Nicht nur die Franzosen, sondern weltweit. Es war ein Medienereignis, dass die ganze Welt in Atem hielt und eine Unmenge an Spenden evozierte. “Mit dem ganzen Geld könnte Notre-Dame zweimal wieder aufgebauet werden.” so Annaud, der die Katastrophe mit den Twin Towers in New York vergleicht, aber einen entscheidenden Unterschied sieht. Letzteres ist ein Symbol der Wirtschaft, während Notre-Dame ein Symbol für die Menschheit ist. “Egal ob gläubig oder nicht, Notre-Dame inspiriert alle.

Der Film wurde In Frankreich gut aufgenommen und hat Annaud viel Lob eingebracht. Er träumt noch von Vorstellungen in IMAX-Theatern, weil dort die Bilder am besten zur Geltung kommen. Aber zurzeit müsse man kleine Brötchen backen. In Italien und Portugal sind erst die Hälfte der Kinos wieder auf.

Nach den Kosten dieses aufwändigen Projektes befragt, kalkulierte Annaud den Film auf rund 13 Millionen Euro, in Amerika hätte er sicher über 100 Millionen Dollar gekostet. Für ihn sei immer wichtig gewesen, das Budget einzuhalten, und dafür muss im Vorhinein alles genauestens geplant und vorbereitet sein. So endete er “under budget” und blieb in der veranschlagten Zeit, das schafft Vertrauen bei den Produzenten.

Vieles ist einzigartig in diesem Film, weswegen er auf viele außergewöhnliche Techniker angewiesen war. So zum Beispiel die Tontechniker, die einen Sound kreieren mussten, den flüssiges Blei macht, wenn es aus hunderten Meter Höhe herunter regnet. So was ist noch nie gemacht worden. Er hatte eine großartige Crew, die oft von über 800° aushalten mussten. Man konnte dann in speziellen Schutzanzügen nur 2 Minuten drehen, weil es zu heiß wurde und kein Sauerstoff mehr in der Luft war. Das alles war sehr gefährlich und barg hohe Risiken. So konnten sie sich keine Fehler erlauben, weswegen sie sie gut vorbereitet waren.

Am Schluss wies er noch auf den Score hin, der vom London Symphony Orchestra eingespielt wurde und flirtete ein wenig mit dem Münchner Publikum. Vier Jahre hat er in dieser Stadt gelebt und gearbeitet, hat hier Filme wie DER BÄR und DER NAME DER ROSE vorbereitet und freute sich, endlich einmal wieder hier zu sein.
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