VorschauSTART | 07.05.2026

Nürnberg

Filmfest Toronto 2025

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Nürnberg - 2025
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Nach seiner Premiere in Toronto, Gastspielen auf verschiedenen Festivals und dem US-Start im Spätherbst können nun auch die deutschen Zuschauerinnen und Zuschauer an der spannenden Diskussion teilnehmen, ob James Vanderbilts starbesetzter Blick auf die Nürnberger Prozesse ein gelungener Ansatz ist, der der Frage nach dem Ursprung des Bösen auf den Grund zu gehen. An einem interessanten Plot mangelt es dem spannenden Hybrid zwischen Psychothriller und Justizdrama jedenfalls ebenso wenig wie an hochaktuellen Bezügen zur Gegenwart.

Basierend auf dem Buch „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai konzentriert sich das Geschehen auf den spannenden Schlagaustausch zwischen dem frisch auf seiner Flucht nach Österreich inhaftierten Reichsmarschall Hermann Göring am 7. Mai 1945 und dem US-Psychiater Douglas Kelly, der ihn und weitere festgesetzte Nazi-Größen psychologisch begutachten soll. Parallel können wir den Bemühungen der Anwälte Robert H. Jackson (Michael Shannon) und David Maxwell Fyfe (Richard E.Grant) folgen, die völkerrechtlichen Voraussetzungen für eine gemeinsame Anklage der noch lebenden Nazi-Größen durch die Aliierten zu schaffen. Dabei mussten sie sich gegen die vielen Skeptiker durchsetzen, die dies für unmöglich hielten und die gefassten Massenmörder lieber ohne Prozess direkt hinrichten wollten.

 Bald gerät Kelly in einen Zwiespalt. Getrieben von seinem Ehrgeiz, eine Erklärung für solch monströse Taten zu finden und darüber ein Buch zu schreiben, gerät er  zunehmend zunehmend in den Bann Görings, dessen Eloquenz und manipulative Intelligenz er sich immer weniger entziehen kann. Wer zieht eigentlich die Fäden bei diesem Katz- und Mausspiel, fragen sich bald die Zuschauer, und wem wird die eigene Eitelkeit als erstes zum Verhängnis?

Russell Crowe spielt seine Rolle gut, sein Auftritt kann durchaus als Comeback bezeichnet werden, verlief seine Karriere doch zuletzt ein wenig ruhiger. Malek hingegen, der immer noch nachhaltig von seinem Ruhm als Freddy Mercury-Darsteller zehrt, kann nicht ganz so überzeugen. Zumindest zu Beginn wirkt sein Spiel etwas überambitioniert. Ganz im Gegensatz zur stillen Art von Leo Woodall, der als ihm zur Seite gestellter Übersetzer Sergeant Howie Triest dem Film ein berührendes Ende beschert und neben Michael Shannon, der in seiner Rolle als Chefankläger zu Hochform aufläuft.

Die Geschichte ist spannend erzählt und wird teils sogar mit humoristischen Sidekicks aufgelockert, die trotz des ernsten Themas nicht peinlich wirken. 

Von Kritikern auch als Versuch bezeichnet, sich Hannah Arendts philosophischer These von der Banalität des Bösen in Spielfilm-Form zu nähern, überzeugt NÜRNBERG vor allem durch seinen Versuch, zwar historisch so nah wie möglich an der Realität zu bleiben – ein Großteil des Kreuzverhörs des Hauptanklägers Robert Jackson gegen Hermann Goring wird wörtlich aus den tatsächlichen Aufzeichnungen des Prozesses wiedergegeben – sich aber dennoch die Freiheit zu gelegentlichen Abweichungen zu nehmen, wenn dies der Erzählstruktur und dem Erkenntnisgewinn dienlich ist. Der Ursprung des Bösen liegt in der angeborenen Gewaltbereitschaft des Menschen selbst – dies ist ein Fazit des Films, das schon William Golding in seinem Nobelpreis-gekrönten Werk “Der Herr der Fliegen” zum Ausdruck gebracht hat. Und die Geschehnisse damals waren nicht einzigartig – sie können sich jederzeit wiederholen. Die teilweise sehr erschreckenden Parallelen zur heutigen Zeit untermauern diese These nachhaltig. Ein Weckruf, den wir ernst nehmen sollten. 

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