Oldboy
Südkorea | 2003 | FSK 16
2026 neu restauriert und in 4K digitalisiert.
Grand Jury Prize, Cannes 2004

"Rache ist Blutwurst!", schwört Dea-su Oh und dafür hat er auch einen guten Grund. Vor vielen Jahren wurde er von Unbekannten entführt und eingesperrt. Ohne menschlichen Kontakt und ohne für ihn nachvollziehbare Gründe harrt er nun in einem Zimmer ohne Fenster aus. Aus dem Fernsehen erfährt er, dass seine Frau umgebracht wurde und er der Tat verdächtigt wird. Als er dann nach 15 Jahren plötzlich freigelassen wird, will er sich an seinen Peinigern rächen. Doch dafür muss er zuallererst herausfinden, wer und vor allem warum man ihn so lange eingesperrt hat. Regisseur Chan-wook Park hat mit "Old Boy" ein formal wie visuell faszinierendes Vexierspiel geschaffen, das in Cannes mit dem "Grand Prix" der Jury belohnt wurde.
Nach „Sympathy for Mr. Vengeance“ ist „Old Boy“ der zweite Film einer Trilogie zum Thema „Rache“, an dem Regisseur Park (hierzulande durch „Joint Security Area“ bekannt geworden) arbeitet. Als Vorlage diente ein Manga-Comic, doch wer jetzt ein simples Rachedrama erwartet, wird enttäuscht sein. Eher kommt einem da schon die Geschichte des Grafen von Monte-Cristo in den Sinn. Ebenso finden sich Parallelen zur klassischen Tragödie des Ödipus, ist doch der Protagonist des Films gezwungen, seinem Schicksal hinterher zu eilen, doch je mehr er die Wahrheit kennen lernt, desto mehr lehrt sie ihn selbst das Fürchten.
Der ehemalige Philosophie-Student Park zählt Kafka zu seinen Lieblingsautoren und das sieht man seinen Filmen auch an. „Old Boy“ wirkt getränkt in einem düsteren Existenzialismus und schreckt nicht vor extremen Bildern zurück, doch niemals wird hier Gewalt zum Selbstzweck eingesetzt. Hier gelingt das große Wunder, Kopf und Bauch gleichermaßen zu stimulieren, unterschiedliche Motive zu kombinieren und trotzdem etwas ganz eigenes zu schaffen. Einmal mehr hat das asiatische Kino bewiesen, dass es zum innovativsten seiner Zeit gehört. //Eric Horst zum Kino-Start September 2004


