Papst FranziskusEin Mann seines Wortes

Special Screening, Cannes 2018

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Papst Franziskus - 2018 Filmposter
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„Auf die Idee, einen Film über Papst Franziskus zu machen, wäre ich nie gekommen“, sagt Wim Wenders. Als er 2013 genau diese Anfrage vom Vatikan erhielt und ihm vier lange Interviews und freier Zugang zu den Archiven des Vatikans gewährt wurden, ließ er sich nicht zweimal bitten. Er entwickelte ein Konzept, das über eine Dokumentation hinausgeht und uns mitnimmt auf eine Reise mit dem Papst zu den Krisenherden der Welt.

Hierfür hat Wenders auch ein visuelles Konzept entwickelt, das den Papst nicht den Interviewer anschauen, sondern direkt in die Kamera blicken lässt. So beantwortet er nicht nur die Fragen, sondern spricht direkt mit dem Zuschauer von Angesicht zu Angesicht. Diese Begegnung auf Augenhöhe ist Wenders wichtig, denn sie kennzeichnet die Philosophie dieses Papstes, der sich den Menschen verpflichtet fühlt und nicht der Kurie. Das belegt bereits seine Namenswahl. Als Jorge Mario Bergoglio, Kardinal von Buenos Aires, 2013 zum Papst gewählt wird, ist er nicht nur der erste aus Südamerika, nicht nur der erste Jesuit in diesem Amt, sondern auch der erste, der sich den Namen Franziskus gibt und damit an Franz von Assisi (1181-1226) erinnert. Assisi gilt angesichts seines Eintretens für die Armen und die Natur als Erneuerer der Kirche. Wenders unterstreicht dies mit einigen Reenactment-Szenen in Schwarzweiß, gedreht mit einer Handkurbelkamera aus den 1920er-Jahren, die an Pasolinis „Das 1. Evangelium – Matthäus“ erinnern.

Doch Wenders lässt den Papst nicht nur zu uns sprechen, sondern nimmt uns mit auf eine Reise mit ihm. Dabei hat er Erstaunliches aus den vatikanischen Archiven für uns herausgefiltert. So beginnt der Film mit einer Aufnahme in der Sixtinischen Kapelle, in der Franziskus vor dem Hintergrund beeindruckender Gemälde, seiner voll versammelten Kurie gehörig die Leviten liest und Arroganz, Eitelkeit und Besitzstreben anprangert. Auch wenn er nie jemanden konkret angreift, sehen wir in den Gesichtern der Kardinäle, dass sie sich angesprochen fühlen. Doch der Pontifex lebt auch, was er sagt. Er verzichtet auf jeglichen päpstlichen Popanz und will sogar die weitläufigen vatikanischen Gemächer nicht gegen seine Zweizimmer-Mietwohnung eintauschen. Zum amerikanischen Kongress lässt er sich mit einem kleinen Fiat fahren, der angesichts der ihn begleitenden Security-Panzerlimousinen, ein Bild abgibt, das selbst den schlagfertigen amerikanischen Fernsehreporter sprachlos macht. Drinnen erzählt er von seinem höchsten Wert, der Familie: „Keine Familie, in der es nicht Probleme gibt: materielle Sorgen, Kinder, die einem den letzten Nerv rauben oder Schwiegermütter, von denen ich gar nicht erst reden will“, sagt er lächelnd. Und doch könne jedes dieser Probleme mit Liebe bewältigt werden. Er rät allen, abends nicht ins Bett zu gehen, bevor man sich wieder versöhnt habe. Offensichtlich überträgt Franziskus diesen Familienbegriff auch auf die ganze Welt. Er fordert uns auf, gegenseitig aufeinander zu achten und unser Haus (die Umwelt) in Ordnung zu halten.

Mit diesem Credo nimmt uns der Film mit auf eine Reise um die halbe Welt, hin zu beinahe jedem Katastrophen-Schauplatz, wo Franziskus, meist mit leeren Händen, den Menschen Trost zuspricht und Mut macht. Er kann das Leiden nicht verhindern, aber er kann es anprangern und publik machen. Und genau das tut er: vor dem amerikanischen Kongress, der UNO-Vollversammlung und überall, wo er die großen Politiker trifft, denen er genauso die Leviten liest wie seiner Kurie. So setzt er Trumps „America First“ ein beherztes „Nature First“ entgegen und schenkt Erdogan für seine Militäroffensive gegen die Kurden ironisch einen Friedensengel.