Zutritt zu den Vorstellungen wird nur vollständig geimpften, genesenen oder negativ getesteten Besucher*innen gewährt Nähere Infos HIER
VorschauSTART | 23.09.2021

Schachnovelle

Infos Vorführungen

Schachnovelle_webPlakat
Vorführungen
Cinema
  • Mo27.09.
  • Di28.09.
  • Mi29.09.
  • Do30.09.
  • Fr01.10.
  • Sa02.10.
  • So03.10.
  • Mo04.10.
  • Di05.10.
  • Mi06.10.
  • Do07.10.
  • Fr08.10.
  • Datum:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
Informationen

Irgendwie kann es einem Angst machen, wenn so viele deutsche Literaturverfilmungen in die Kinos kommen wie zurzeit. Immerhin werden sich die Bilder in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation eingraben und eine ganze Weile eng mit der Vorlage verbunden sein. Vor zwei Jahren gelang Christian Schwocholw eine ganz wunderbare Adaption der “Deutschstunde” von Siegfried Lenz und nun kommt es Schlag auf Schlag. Dominik Graf interpretierte Kästners “Fabian” neu und Detlev Buck entdeckt mit “Felix Krull” die komische Seite von Thomas Mann. Dass dies noch zu toppen ist, zeigt nun Philipp Stölzl mit der Verfilmung von Stefan Zweigs SCHACHNOVELLE.

Dabei ist schon die Besetzung ein Glücksfall: Oliver Masucci kennen wir von meist etwas skurrilen Rollen wie Adolf Hitler in ER IST WIEDER DA oder Fassbinder in ENFANT TERRIBLE. Schauspielerisch war das immer sehenswert, aber nicht gerade konventionell. Wie unterschiedlich und breit sein Rollenrepertoire ist, zeigt er nun in der SCHACHNOVELLE. Darin spielt er den Wiener Rechtsanwalt Bartok, einen arroganten, aber auch gebildeten und kulturell interessierten Snob, der als gebrochener Mann in der Psychiatrie enden wird.
Wir schreiben das Jahr 1938 und Bartok kann sich nicht vorstellen, dass die Deutschen Österreich einfach so annektieren können. Mit den Worten “So lange wir tanzen, kann die Welt nicht untergehen.” schlägt er die Warnungen seines Freundes in den Wind und geht lieber mit seiner Frau zum Opernball, als das Ticket nach Amerika anzunehmen. Immerhin vernichtet er am Abend die Unterlagen seiner noblen Klientel, dem Wiener Geldadel, dessen Konten – vornehmlich in der Schweiz – er verwaltet. Noch am gleichen Abend wird er verhaftet und ins feudale Hotel Metropol verbracht, das die Nazis zum Gestapo-Hauptquartier zweckentfremdet haben. Hier trifft er auf den Ermittler Franz-Josef Böhm, der Bartok die Nummern der Konten entlocken soll. Gespielt wird er von Albrecht Schuch, der in letzter Zeit durch ähnlich exzentrische Rollen auffiel (z.B. als durchgeknallter Drogendealer in BERLIN ALEXANDERPLATZ). Böhm hat sich vorbereitet, kennt den Lebemann Bartok aus dem Effeff, bietet ihm seinen Lieblingswhisky an und raucht mit ihm seine Zigarettenmarke. Doch Bartok ist schlau genug zu wissen, dass er nur so lange überleben wird, wie er sein Geheimnis für sich behält. Doch Böhm hat Geduld und versucht es erst mal mit psychischer Folter. Er lässt ihn auf eine Suite bringen, auf der er Tage und Wochen in Einzelhaft verbringt. Zu Essen bekommt er immer die gleich Suppe, ein Stück Brot und eine Zigarette. Feuer hat er allerdings nicht. Seine Wünsche nach einem Buch, einer Zeitung oder etwas zu schreiben werden abgelehnt, doch in einem unbemerkten Moment gelingt es ihm, ein kleines Buch zu stibitzen. Zu seiner Enttäuschung ist es ein Buch über Schach, eine Sammlung von Partien der Weltmeister…
Die zweite Hälfte des Films spielt auf einem Ozeandampfer mit Kurs auf New York. Bartok ist ein gebrochener Mann, verwechselt ständig seine Kombüse mit der Zelle im Hotel, kann kaum noch aufrecht gehen und hält die, die ihm helfen wollen, für falsche Nazi-Schergen. An der Bar erfährt er davon, dass der Schachweltmeister an Bord ist und alle Passagiere zu einer Partie aufgefordert hat. Bartok nimmt an und spielt die erste Partie seines Lebens…
Ähnlich wie bei DEUTSCHSTUNDE ist man sich nicht sicher, ob der Film nur deshalb so gut ist, weil die Vorlage so genial ist. Diesmal sind sie es wohl beide, denn Philipp Stölzl setzt den Roman als kongeniales Kammerspiel um, das Frank Walter Steinmeiers These, dass Kultur ein Lebensmittel sei, Kraft verleiht. Dabei verlässt er sich auf seine Hauptdarsteller, die mit ihrem Spiel die ganze Tragik der Vorlage ausloten. So gelingt es, das Grauen der Nazis erfahrbar zu machen, ohne Gewalt wirklich zeigen zu müssen und am Ende ist Bartok eine gespaltene Persönlichkeit, in der drei Charaktere weiterleben, der Wiener Bonvivant, das Gestapo-Opfer und ein ungekrönter Schach-Weltmeister.

Galerie