Skunk
Belgien, Niederlande | 2023 | FSK 18

Mit SKUNK legt Koen Mortier (“Ex-Drummer”) erneut einen Film vor, der sich konsequent jeder bequemen Einordnung entzieht. Es ist eine erwachsene Systemsprenger-Variante und mäandert zwischen dokumentarischer Milieubeschreibung, poetischem Realismus und transgressivem Kino. Nichts für Zartbesaitete.
Im Zentrum steht der 17-jährige Liam, eindringlich verkörpert von Thibaud Dooms, der für seine Leistung zu Recht internationale Aufmerksamkeit erhielt. Seine Kindheit ist geprägt von Gewalt, Drogen und Missbrauch – ein Umfeld, das den Begriff „Familie“ ins Gegenteil verkehrt. Als staatliche Stellen ihn schließlich aus diesem zerstörerischen Milieu holen und in eine Einrichtung für traumatisierte Jugendliche bringen, scheint ein Ausweg möglich. Doch Mortier interessiert sich weniger für Erlösung als für die Frage, ob ein solcher Bruch überhaupt heilbar ist.
Stilistisch erinnert Mortiers Ansatz mitunter an die Dardenne-Brüder – allerdings in einer deutlich radikaleren, entgrenzten Variante. Die Kamera bleibt nah an den Figuren, fast aufdringlich, während die Inszenierung zwischen nüchterner Milieustudie und expressiver Überzeichnung schwankt. Diese Mischung erzeugt eine intensive, aber auch fordernde Seherfahrung: SKUNK ist kein Film, der führen will, sondern einer, der sein Publikum bewusst im Ungewissen lässt.


