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Slow West

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Slow West - 2014 Filmposter

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Regie-Debütant John Maclean war in den 90er Jahren Teil der schottischen Folktronic Gruppe „The Beta Band“, für die er auch Musikvideos drehte. Das Gefühl für Rhythmus, raffinierte Montage und affektiv starke Bilder ist auch seinem Neo-Western anzumerken, der beim Sundance Film Festival auf Anhieb den Jury Preis gewann. Irgendwo zwischen den großen John Ford Klassikern und „True Grit“ von den Coen Brüdern findet Maclean seine ganz eigene, erfrischende Filmsprache, die in nur 84 Minuten bis zum unerwarteten Showdown die Story auf den Punkt inszeniert. In der Hauptrolle dabei: Ein wie immer großartiger Michael Fassbender.

Ähnlich wie Tommy Lee Jones mit seinen Filmen „Three Burials“ und „The Homesman“ erweist John Maclean auf gelungene Weise einem Genre die Ehre, das anscheinend nicht aussterben will. Vielleicht verkörpert der Western heute umso mehr eine Sehnsucht nach Freiheit und Entgrenzung, wie wir sie Dank technologischer Revolutionen und weltweiter mobiler Erreichbarkeit kaum noch erleben können – außer eben im Kino. Auch in den Zeiten seiner Existenz war der „Wilde Westen“ ein Ort europäischer Fantasien, der mit ganz unterschiedlichen Versprechen zu locken schien. So ist er auch in Macleans Film Schauplatz von Auflösung und Umkehrung der Werte und Normen sowie dem Auftauchen von Wahnsinn im Rahmen des vermeintlich Zivilisierten.

In Rückblenden wird nach und nach deutlich, wie der junge zerbrechliche Aristokrat Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) sich in das unwirtliche Colorado der 1870er Jahre verirren konnte. Seine große romantisierte Liebe Rose ist zusammen mit ihrem Vater, einem Bauern, unerwartet in die neue Welt aufgebrochen und der idealistische Jüngling ist der Meinung sie retten zu müssen.

Ein Fahndungsplakat auf welchem für die Tochter und den alten Herren ein ordentliches Kopfgeld ausgeschrieben steht, lässt bereits erahnen, dass es sich hier nicht um eine Unschuld vom Lande handelt – und auch die großen Gefühle vielleicht doch eher einseitiger Natur sind.

Aus den Schottischen Highlands begibt sich Cavendish dennoch unbeirrt auf die Suche und geht durch die harte Schule jenes fremden Landes, in dem völlig andere Regeln gelten, als die der heimischen Gentlemen. Nur Dank des zwielichtigen Umherstreifers Silas Selleck (Michael Fassbender) gibt es für ihn eine Chance auf Überleben, welche sich dieser fortan gut bezahlen lässt. Der toughe Einzelgänger weckt zwangsläufig Erinnerungen an die besten Zeiten Clint Eastwoods, auch wenn die Rolle Fassbenders etwas gesprächiger und moderater angelegt ist. Natürlich dürfen auch die Antagonisten nicht fehlen, welche schon lange die Grenze der Zivilisation und Vernunft hinter sich gelassen haben und so brilliert auch der Australier Ben Mendelson („Animal Kingdom“) hier als mit einem Wolfsfell umhangener, Absinth-trunkener Bad Guy.

John Macleans Film ist jedoch keine idealistische Hommage an die Blütezeit des Westerns, eine Welt die uns heute bei aller postmoderner Ironie auch gar nicht mehr zugänglich ist. Ähnlich wie die Coen Brüder findet er einen lakonischen Ton voller schwarzem Humor, mit dem er seine Figuren auf eine düstere Reise schickt. Immer wieder meint man Zitate der großen Klassiker zu finden, doch Maclean entwickelt seinen ganz eigenen Stil und einen intelligenten Kommentar auf jede Zeit der Gewalt, in der ein Menschenleben wenig wert war und zudem schnell vorbei.

Auch die ungewöhnliche Entscheidung in Neuseeland zu drehen, macht sich atmosphärisch bemerkbar: In „Slow West“ finden sich kaum eintönige staubige Einöden, sondern Landschaften von ganz eigenwilliger visueller Schönheit, so wie es auch über den Film als Ganzes gesagt werden kann. In knapper Laufzeit gelingt Maclead ein großer erster Wurf und ein mitreißender neuer Blick auf ein altes Genre, der eine mit Spannung zu verfolgende Karriere verspricht.