Suspiria

AWARDS: Venedig 2018

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Suspiria - 2018 Filmposter
Vorführungen
Metropol
  • Sa15.12.
  • So16.12.
  • Mo17.12.
  • Di18.12.
  • Mi19.12.
  • Do20.12.
  • Fr21.12.
  • Sa22.12.
  • So23.12.
  • Mo24.12.
  • Di25.12.
  • Mi26.12.
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Informationen

Luca Guadagnino kreiert mit seiner – offiziell „Remake“ genannten – Hommage an Dario Argentos gleichnamigen Kulthorrorfilm ein ganz eigensinniges, intellektuelles Kunstwerk. In gräulich-trist gehaltenen Bildern, die das Kränkelnde der zahlreichen mitgelieferten Subtexte untermauern, formt er Allegorien, die den Verstand und die Affekte auf subtilste Manier anregen. Beinahe alles, was man dieser mutigen Genreperle als Schwäche attestieren könnte, könnte ebenso als große Stärke ausgelegt werden. Ihm gelingt ein komplexes, hochästhetisches Rätsel von sperrigem Format um archaischen Weiblichkeitskult und einer mythischen Mutterfigur: als furchterregende Zerstörerin, oder aber als heilende Erlöserin.

Die Stimmen flüstern von überall, sie dringen aus dem Radio, tönen aus dem Fernseher, verkünden unheilvolle politische Wirren, lachen bedrohlich in den Gängen, kränkeln, wimmern, kichern. Wir befinden uns im geteilten Berlin, Herbst 1977: An einer Straßenecke harrt eine extrem verwirrte junge Frau, eilt zur anderen Seite und sucht den großväterlichen Psychologen Dr. Klemperer (gespielt von einer kaum wiederzuerkennenden Tilda Swinton) auf. Sie, Patricia (Chloe Grace Moretz), ist Ballerina an der renommierten Akademie für avantgardistischen Tanz. Geistig wirr mäandert sie durch die Praxis des Seelenklempners, der eifrig versucht, ihr suspektes Gefasel von den vermeintlich bösartigen Leiterinnen des Tanzinstituts zu Papier zu bringen. So abrupt wie sie eintrat, entschwindet sie wieder aus der Praxis, auf den Lippen noch die verhängnisvollen Worte, dass die „Hexen“ – milde ausgedrückt – ihr Genital vom Silberteller fressen werden. Kurz darauf gilt sie als vermisst. Just tritt Susie Bannion (Dakota Johnson) in den Vorraum der Tanzschule. Sie will sich für die Klasse der Elevinnen-Mentorin Madame Blanc (ebenfalls Tilda Swinton) bewerben. Da Patricias Platz im aufzuführenden Stück “Volk” nun frei ist, kann der überaus talentierte Neuankömmling sogleich einspringen. Bald jedoch wird ersichtlich, dass die sonderbaren Leiterinnen (u.a. die ehemaligen Fassbinder- und Schlöndorff-Musen Ingrid Caven und Angela Winkler) in der Tat ganz eigene Pläne verfolgen und hinter der Fassade des Gemäuers sinistere Mächte die Fäden ziehen.

Bricht der grellbunte und blutige Irrsinn des Argento-Klassikers von 1977 noch in den ersten Minuten über die jungen Frauen der Tanzschule herein, entwickelt Guadagnino hier eine gegensätzliche und beinahe farbentleerte Elegie, die sämtliche Erwartungen unterlaufen dürfte. Lediglich das Grundgerüst der Handlung aus dem alten „Suspiria“ ist in seiner Version, die stilistisch sehr eigene Töne anschlägt, in seltsam austarierten Anwandlungen zu erkennen. Der Horror, den er liefert, ist um einiges subtiler, schleicht sich regelrecht auf leisen Sohlen an: im Gewand surreal-suggestiver Sequenzen von haarsträubender Intensität oder einer starren Kapitel-Gliederung, anlehnend an Lars von Triers Stilmittel der Strukturierung, schildert er die sich zuspitzenden Vorkommnisse, die in einem blutgetränkten Schlussakt infernalischen Ausmaßes kulminieren. In Venedig hinterließ das heißerwartete „Remake“ die Zuschauer sprach- und ratlos. Verständlicherweise. Guadagnino zitiert große surrealistische Meister und reflektiert die Position grenzgängerischer Frauentypen in modern interpretierter Hexengestalt konsequent enigmatisch, dies aber mit ungeahnter Präzision und großer atmosphärischer Sensibilität.