The Dead Don´t Die

AWARDS: Eröffnungsfilm Cannes 2019

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The Dead Don´t Die - 2019 Filmposter
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Die Filmfestspiele in Cannes eröffneten in diesem Jahr mit Jim Jarmuschs neuem Film “The Dead Don’t Die”, einer Genre-Parodie, wie es schon sein letzter “Only Lovers left alive” war. Doch diesmal sind es keine Vampire, sondern Zombies, die er erwachen lässt und damit nicht nur George Romeros “The Living Dead” seine Reminiszenz erweist, sondern dem gesamten Genre, wie auch dem Film an sich und seinen großartigen Schauspielern. Dass Jim Jarmusch im kommerziellen Umfeld von “Rocketman” und “Once Upon a time in Hollywood” die Ehre hatte, das Festival zu eröffnen, mag wohl an seinem illustren Cast gelegen haben, ist aber auch ein klares Statement für den Arthaus-Film.

Denn so trashig das Thema auch sein mag, der Film ist es nicht. Beinahe liebevoll stellt uns Jarmusch den Ort des Geschehens, das kleine Städtchen Centerville, vor. In einem kleinen Polizeiwagen, auf dem groß die Ziffern 001 zu lesen sind (natürlich ist es das einzige Einsatzfahrzeug in diesem Dorf), lässt er Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray), Deputy Ronald Peterson (Adam Driver) und ihre Kollegin Mindy (Chloe Sevigny) von Einsatz zu Einsatz fahren und so lernen wir schnell Land und Leute kennen. Denn es stimmt was nicht in dem ansonsten so verschlafenen Nest. Zuerst spielen die Uhren verrückt, dann verhalten sich die Tiere merkwürdig, und als dann noch zu ungewöhnlicher Zeit die Dunkelheit einbricht, wird den Polizisten klar, dass das eine lange Nacht werden kann. Ihre Einsätze führen sie zu einem rassistischen Farmer (Steve Buscemi), der ein Käppi mit der Aufschrift “Make America White Again” trägt und zu der geheimnisvollen, schottischen Bestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton), einer Frau ‘from outer space’, die eine Schwester von Thomas Jerome Newton (David Bowie in ‘Der Mann, der vom Himmel fiel’) sein könnte.

Die Ereignisse eskalieren, als sich die Gräber auf dem Friedhof öffnen und Iggy Pop als erster das Grab verlassen darf. Eine Armee von Untoten macht sich auf, das kleine Dorf zu tyrannisieren. Und wenn sie ihren Hunger nach lebendem Menschenfleisch erst einmal gestillt haben, beschäftigen sie sich mit meist sinnlosen Tätigkeiten, wie sie das wohl auch während ihres Lebens getan haben. Jarmusch gelingen dabei immer wieder Bilder voller Witz und Poesie, wenn z.B. die Untoten mit leuchtendem Handy auf der Suche nach WiFi im dunklen Wald umherirren. Der Dorfgemeinschaft wird bald klar, dass sie die Zombies töten müssen, und das geht nur, indem man sie ihres Kopfes beraubt. Zelda Winston beweist darin besonders viel Geschick: Sie zieht herum mit einem scharfen Schwert, wie einst Uma Thurman in “Kill Bill” und hinterlässt quasi im Vorbeigehen zahllose kopflose Kreaturen. Platter geht es da schon bei den Polizisten zu, die mit Pistole und Gewehr Köpfe platzen lassen wie Tontauben. Doch ein wahres Vergnügen ist das nicht, stehen die Ordnungshüter doch Wesen gegenüber, die sie zu Lebzeiten gekannt, ja zum Teil sogar selbst beerdigt haben. Aus diesem Dejavue macht sich Jarmusch einen Spaß, in dem er die Untoten mit lauter bekannten Darstellern besetzt, die auch dem Zuschauer ein ungewöhnliches Wiedersehen mit Stars wie Danny Glover, Caleb Landry Jones, Rosie Perez und vielen anderen beschert.

So arbeitet sich Jim Jarmusch an der Filmgeschichte ab, und wenn am Ende das Happy End ausbleibt und sich mancher fragt, was das Ganze denn sollte, kann man vielleicht doch konstatieren, dass neben phantastischen Bildeinfällen und Zitaten aus der Filmgeschichte auch politische Andeutungen dezent gestreut werden, die andeuten mögen, dass uns die Sünden der Vergangenheit immer einholen werden, spätestens am Jüngsten Tag, wenn auch vorerst nur im Kino.