Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Silberner Löwe, Venedig 2017

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri 2017 Filmposter

Wahrscheinlich liegt es an Frances McDormand, dass man sich in diesem Film gleich zuhause fühlt. Man kommt sich vor wie in einem Film der Coen-Brüder und muss natürlich gleich an FARGO denken, auch wenn McDormand diesmal keine Polizistin spielt, sondern es gleich mit einem ganzen Police-Department aufnimmt. Weil sie meint, dass die Polizei den Mord an ihrer Tochter nicht nachhaltig aufklärt, mietet sie drei Plakatwände am Ortseingang von Ebbing an, auf denen sie die schleppenden Ermittlungen anprangert und Policeofficer William Willoughby namentlich angreift. Das ist natürlich starker Tobak für die Kleinstadt, die Regisseur Martin McDonagh im folgenden für uns geradezu filetiert.

Martin McDonagh kennen wir von seinen Filmen „Brügge … sehen und sterben“ und „7 Psychos“, die insbesondere durch ihr hervorragendes Drehbuch auffielen. Das ist in „Three Billboards…“ nicht anders. Woody Harrelson spielt hier den Sheriff von Ebbing, Missouri, und wenn er auch einige recht minderbemittelte Deputys unter sich hat, so ist er selbst wohl eher eine intellektuelle Leuchte in dieser gottverdammten Gegend, die nicht nur Gott, sondern auch die Politik vergessen zu haben scheint. Er leidet an Krebs und versucht dennoch, die Ordnung aufrecht und die Dinge zusammenzuhalten. Die einzige, die es geistig mit ihm aufnehmen kann, ist Mildred Hayes, die ihn trotz seiner Krankheit nicht schont, denn sie hat gerade ihre Tochter verloren, die nachts auf dem Nachhauseweg ermordet worden ist. Die Polizei hat nach Monaten den Täter immer noch nicht gefunden. Mildred wirft den Beamten Untätigkeit vor und mietet kurzerhand drei Plakatwände am Ortseingang von Ebbing an, die sie mit ihren Vorwürfen an die Polizei im Allgemeinen und den Sheriff im Speziellen beschriftet.

Das sorgt für allerlei Sprengstoff in dieser Kleinstadt, in der eh ein rauher Ton herrscht und auch schon mal die Fäuste fliegen, wenn man mit Argumenten nicht weiter kommt. McDonaghs Drehbuch glänzt dabei mit einer Fülle von Dialogen, die die Stimmung in diesem Schmelztiegel auf den Punkt bringen. Dabei entwickelt er eine ausgeprägte Sensibilität für die Arbeiterklasse und fängt ihren Zorn darüber ein, dass sie die Looser sind, denen der Neoliberalismus auch noch die letzten Quadratmeter ihres Landes streitig macht. So wird der Mordfall zum Ventil für einen Stimmung, die kurz vor dem Überkochen ist, und von dem Schauspielerensemble mit ungeheurer Spielfreude vorgetragen wird. Dabei wirken die Dialoge so natürlich, als hätten sie diese vor Ort improvisiert, doch auf der Pressekonferenz in Venedig, wo der Film uraufgeführt wurde, stapelte Woody Harrelson tief: „Wir mussten nur das sagen, was im Drehbuch stand. Wir haben nichts dazu erfunden, es stand alles schon drin.“ Und auch Frances McDormand berichtete von Dreharbeiten, die allen einen großen Spass bereitet hätten. Sie selbst wollte ihre Rolle so anlegen wie John Wayne, wäre meist breitbeinig herumgelaufen, nur hätte der Regisseur diese Szenen alle herausgeschnitten. Wie auch immer, McDonagh gelingt es jedenfalls, aus einem düsteren Drama eine großartige Komödie erwachsen zu lassen. Er verbindet den tragischen Mordfall mit der Depression eines Landkreises und bringt uns all dies auf eine Weise nahe, die kaum mehr Spaß machen könnte, oder wie es Frances McDormand beschrieb: „Du verlierst dich nicht in der Melancholie des Films, sondern du surfst auf ihr.“ Insbesondere ihre schauspielerische Leistung könnte ihr nach „Fargo“ den zweiten Oscar einbringen. In Venedig erhielt Martin McDonagh völlig zu Recht einen Silbernen Bären für das Beste Drehbuch.

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