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Toni Erdmann

Wettbewerbsbeitrag, Cannes 2016

Infos Vorführungen

Toni Erdmann 2016 Filmposter

"Toni Erdmann" ist auch online verfügbar.

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Informationen

Acht Jahre nach Wim Wenders „Palermo Shooting“ war einmal wieder ein deutscher Film im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes. Und nicht nur, dass mit Maren Ade erstmals eine deutsche Regisseurin teilnahm, ihr Film bekam international beste Bewertungen, wurde zum Favoriten gestempelt und blieb Gesprächsthema bis zum Schluss. Als er dann am Ende leer ausging, wurde die Jury einhellig von der Presse gescholten. Geschadet hat es dem Film nicht, er wurde in Cannes in 48 Länder verkauft und startet nun auch schon in unseren Kinos.

„Toni Erdmann“ ist Maren Ades dritter Film nach ihrem viel beachteten Debüt „Der Wald vor lauter Bäumen“ (2003) und „Alle Anderen“, für den sie 2009 den Großen Preis der Jury bei der Berlinale gewann. Peter Simonischeck spielt hier Winfried, einen 65-jährigen Musiklehrer, der seiner in der Wirtschaftsberatung international erfolgreichen Tochter Ines (Sandra Hüller) nach Bukarest folgt, um zu sehen, wie es ihr geht. Auf die Frage, ob sie denn glücklich sei, hat sie auf dem letzten Familientreffen recht gereizt reagiert und ihm vorgeworfen, dass ihn das in ihrer Kindheit auch nicht interessiert hätte. Besorgt reist der Vater also nach Bukarest, um zu sehen, wie es der Tochter tatsächlich geht. Für Ines ist das ein Balance-Akt, dem Vater die erfolgreiche Tochter vorspielen und dem Chef die knallharte Business-Frau. Gleich am ersten Tag treffen die beiden Männer aufeinander und tauschen Spitzfindigkeiten aus. Der Chef ist amüsiert, nimmt Vater und Tochter samt Geschäftspartner mit auf Sauftour durch die Nachtclubs. Am anderen Morgen ist der Spuk zum Glück vorbei, der Vater reist zurück nach Deutschland und der Tochter fällt ein Stein vom Herzen. Doch zu früh gefreut, plötzlich taucht er mit Perücke, Sonnenbrille und schrägem Gebiss als eine Art Ion Tiriac-Double unter dem Pseudonym Toni Erdmann wieder auf, lässt alle Albträume seiner Tochter wahr werden und sitzt fortan bei fast all ihren Business-Terminen mit am Verhandlungstisch…

Was an Maren Ades Film absolut neu ist, ist sein Humor. Wieder einmal nimmt sie sich eines schweren Themas an, schreckt auch nicht vor annähernd drei Stunden Spieldauer zurück. Ihre Protagonisten sind zunächst kühl und distanziert, Ines eine kalte, ehrgeizige Unternehmensberaterin, die rund um die Welt reist und eine Firma nach der anderen abwickelt, um die Karriereleiter steil nach oben zu klettern. Der Vater dagegen ein Altachtundsechziger mit grünem Gedankengut, zerrissen zwischen der Sorge um das Glück der Tochter und um das, was sie tut. So steht das Publikum seinen tollpatschigen Versuchen, sich in das Leben seiner Tochter einzumischen anfangs eher ablehnend gegenüber, doch mit der Zeit erkennt man, worum es dem Vater geht. Egal wie sehr er sich auch blamieren mag, moralisch ist er immer im Recht. Seine bis zur Selbstaufgabe gehenden Versuche, seiner Tochter die Augen zu öffnen, erscheinen plötzlich als Hilferufe in einer Welt in der es immer schwieriger wird, gleichzeitig glücklich und erfolgreich zu sein. Für Ines ist das Stress pur, sie muss Härte zeigen, um dem Chef zu imponieren, und Kälte, um den Vater auf Distanz zu halten. Dass letzteres genau dann nicht funktioniert, wenn sie sich am Ärgsten streiten, zeigt ihre Zusammengehörigkeit. Ein schlechtes Gewissen ist da wohl auch die Triebfeder für die Katharsis des Vaters, der uns inzwischen derart ans Herz gewachsen ist, dass wir ihm sogar den peinlichsten Auftritt verzeihen. Das alles ist derart intensiv und glaubwürdig gespielt, dass hier – in einer völlig neuen Form von Komödie – die Traurigkeit unseres Lebens zwischen Weinen und Lachen hochemotional verhandelt wird.

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