Über uns das All

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Über uns das All - 2011
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Wie gut kennen wir die Menschen, die wir lieben und die uns nahestehen? Bleibt nicht immer ein unaufgelöster Rest, der uns hin und wieder damit konfrontiert, dass wir uns ein Bild vom Anderen gemacht haben, der letztlich in seinem Wesen doch ein Rätsel bleibt? Die Welt einer jungen Frau bricht zusammen, als sie vom erschütternden Doppelleben ihres Ehemannes erfährt, doch sie findet eine unkonventionelle Lösung für diese traumatische Situation. Jan Schomburg ist ein außergewöhnliches Debüt gelungen, das hochemotional und mit erzählerischer Virtuosität von den Möglichkeiten der Liebe erzählt.

Die Lehrerin Martha ist glücklich mit ihrem Leben, sie fühlt sich sicher und geborgen in der Beziehung zu ihrem Mann Paul, der gerade im medizinischen Bereich promoviert. Als „Meilenstein“ wird seine Doktorarbeit schließlich bezeichnet, es winkt ein Jobangebot in Marseille. Martha ist bereit ein neues Leben anzufangen, packt die Kartons, verabschiedet sich von ihren Freunden, während Paul mit dem Auto schon mal vorfährt, um noch einige Dinge zu klären. Wenige Tage später klingeln zwei Polizeibeamte bei der jungen Frau und teilen ihr unbegreifliche Neuigkeiten mit: Ihr Mann hätte sich auf einem Parkplatz in Frankreich das Leben genommen. Martha findet das alles vollkommen lächerlich und ist sich sicher, dass es eine Verwechslung gegeben haben muss. Selbst die Tatsache, dass sie Paul nicht auf dem Handy erreichen kann, beunruhigt sie nicht im Mindesten, denn dieser ganze Sachverhalt scheint einfach nur absurd. Doch auf dem Polizeipräsidium lassen sich die Tatsachen nicht mehr verleugnen: Martha identifiziert auf den Fotos ihren Mann und bleibt doch seltsam ruhig und gefasst. Schließlich macht sie sich auf die Suche nach einem Phantom. Paul brachte weder Eltern, noch eigene Freunde in die Beziehung, wird ihr langsam klar. Bei ihren Recherchen auf der Universität stellt sich heraus, dass er schon seit Jahren exmatrikuliert ist, niemand kann sich dort an ihn erinnern. Im Aufzug sieht Martha einen Mann, der sich mit einer kleinen, ihr seltsam vertrauten Geste durch die Haare fährt und auf einmal wird ihr klar: sie will nicht auf ihr Glück verzichten, sie will nicht trauern. Sie folgt dem Mann, der sich als Jura-Professor herausstellt und beginnt eine eigenwillige Affäre mit ihm, noch ohne seinen Namen zu kennen. Dieser ist zunächst abgeschreckt durch ihre freizügige Kompromisslosigkeit, erkennt jedoch dahinter eine tiefe Verzweiflung und beschließt das Spiel mitzuspielen. Die beiden leben zusammen in der Wohnung, die Martha einst mit Paul teilte, geben sich neue Namen, stellen sich keine Fragen über die Vergangenheit. Doch kann man einen Menschen, den man geliebt hat einfach durch einen anderen ersetzen?
Sandra Hüller („Requiem“) spielt die Rolle der Martha differenziert und mit einer solchen unmittelbaren Emotionalität, dass man sich ihr nicht entziehen kann. Der Titel „Über uns das All“ beschreibt, so Schomburg, ein ambivalentes Gefühl, dass sich einstellt, wenn man sich klarmacht, in wie viele unbekannte Galaxien und Räume sich der Himmel über unseren Köpfen verläuft, ein Gefühl der existenziellen Einsamkeit, aber auch einer Gemeinsamkeit, der wir alle ausgesetzt sind. Und so ist sein Debütfilm nicht nur ein intensives Portrait über den individuellen Umgang mit Trauer und traumatischen Erfahrungen, sondern auch eines der Resilienz und der erstaunlichen seelischen Kraft, die Menschen aufbringen können, um einen Neuanfang zu wagen.

Eindrücke von der Premiere im Bambi gibt es hier (klick).

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