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VorschauSTART | 29.10.2020

Und morgen die ganze Welt

AWARDS: Venedig 2020

Infos Vorführungen

Und morgen die ganze Welt - 2020 Filmposter
Vorführungen
Atelier
  • Fr30.10.
  • Sa31.10.
  • So01.11.
  • Mo02.11.
  • Di03.11.
  • Mi04.11.
  • Do05.11.
  • Fr06.11.
  • Sa07.11.
  • So08.11.
  • Mo09.11.
  • Di10.11.
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Informationen

Politische Filme sind im Deutschen Kino selten geworden. Zuletzt war Hans Weingartner mit “Die fetten Jahre sind vorbei” auf einem internationalen Festival vertreten. Aber das ist 16 Jahre her! Zu dieser Zeit hat Julia von Heinz das Drehbuch zu ihrem Film geschrieben, der einen Einblick in die Antifa-Szene gibt. Damals war sie Teil dieser Bewegung, zu nah dran um einen Film darüber zu drehen, wie sie in Venedig erklärte. Als in den letzten Jahren das Thema Neo-Faschismus wieder hochkochte, hatte sie genügend Abstand, um es zu verfilmen.

Sie folgt Luisa, die Jura studiert und zuhause raus will. Sie wird magisch angezogen, von einer Antifa-Kommune, in der sie gerne leben möchte. Eine Freundin vermittelt ihr ein Vorstellungsgespräch. Entscheidend ist letztlich ihr Jurastudium. Mit ihrem Wissen kann sie die Gruppe in Bezug auf deren Aktionen rechtlich beraten. Doch allzu herzlich fällt ihre Aufnahme nicht aus. Sie kriegt zwar ein Zimmer, muss sich aber den Respekt der Anderen erst noch verdienen. Die sehen sie eher als Kind reicher Eltern, das Jury studieren soll. Luisa versteht schnell, sie muss die Gruppe auf sich aufmerksam machen, um Akzeptanz und Respekt zu finden. Auf einer Demo gelingt es ihr, einem Rechten sein Handy zu klauen, ein voller Erfolg, denn nun kennt die Gruppe alle Termine der Neofaschisten und kann ihren Widerstand wesentlich gezielter planen.

Schnell identifiziert sich Luisa mit der ‘linken Sache’ und tendiert immer mehr zu einer kleinen Gruppe, die sich zunehmend radikalisiert. Ihnen ist das Stören von rechten Veranstaltungen mit Trillerpfeifen und das Werfen von Tomaten und Torten zu kindisch, sie wollen die Faschos physisch treffen, ihnen weh tun. Dabei ist das Thema Gewalt in der Gruppe ausreichend diskutiert: Gewalt ist keine Lösung, aber wie will man ohne Gewalt gegen Gewaltbereite vorgehen?

Julia von Heinz gelingt es, die Antifa in all ihrer Widersprüchlichkeit zu porträtieren. Da handelt es sich längst nicht mehr nur um Anti-Faschisten, es kommen Tierschützer, Naturfreunde, Veganer,  Flüchtlingshelfer und Aktivist*innen für Frauenrechte hinzu. Ähnlich breit gefächert sind auch ihre Aktionen, die von passivem Widerstand über gewaltfreie Aktionen bis hin zu brutalen Auseinandersetzungen reichen. Auch sieht sie einen Unterschied zur Antifa von vor 20 Jahren: “In den neunziger Jahren suchte man nach den Wurzeln für Faschismus, Rassismus und Antisemitismus. Heute geht es darum, die Welt zu verändern, notfalls mit Propaganda, Fake News und Social Media.” erklärte sie in Venedig. Dort berichtete sie auch über die Erstürmung des Reichstagsgebäudes im letzten Monat, wo unterschiedlichste Gruppierungen von Rechts bis Links gegen unsere Demokratie demonstrierten.

Julia von Heinz’ Film kann weder die Antifa, noch ihre unterschiedlichen Aktionen erklären, ihr Film ist aber ein treffendes Porträt dieser Gruppe und ein Zerrbild unserer Gesellschaft. Dass die Bewegung so ungemein breit geworden ist, erklärt sie damit, dass die Welt immer komplexer wird und alle nach einfachen Antworten suchen. Am meisten missfällt ihr dabei die Rolle des Mittelstandes, der keine Haltung zeigt, auf Demos nur mitläuft und ansonsten mit der Wahrung seiner Besitztümer beschäftigt ist. “Es ist eine deutsche Geschichte, die ich für ein deutsches Publikum geschrieben habe”, sagt sie und erklärt ihre Überraschung, dass der Film international auf soviel Beachtung stößt. Auch wehrte sie sich gegen eine allgemeine Kriminalisierung der Antifa und ihre Verunglimpfung als Terroristen, wie sie Trump immer wieder äußert und bezogen auf den amerikanischen Präsidenten meinte sie nur: “Wer die Antifa kriminalisiert, ist kriminell!”