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Undine

AWARDS: Berlinale 2020 - Silberner Bär für die beste Darstellerin (Paula Beer)

Infos Vorführungen

Undine - 2020
Vorführungen
Cinema
  • Sa11.07.
  • So12.07.
  • Mo13.07.
  • Di14.07.
  • Mi15.07.
  • Do16.07.
  • Fr17.07.
  • Sa18.07.
  • So19.07.
  • Mo20.07.
  • Di21.07.
  • Mi22.07.
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Informationen

Die Wasserfrau als Mythos beschäftigt die Literatur schon seit der Antike. Ihre Darstellung schwankt zwischen mörderischer Nixe und erlösungsbedürftiger Meerjungfer, bleibt jedoch immer auf den Mann bezogen. Inspiriert von Ingeborg Bachmanns feministischer Relektüre „Undine geht“ entfaltet Christian Petzold mit seinen beiden Hauptdarstellern aus „Transit“ erneut eine Liebesgeschichte, die das Gespenstische in ihren Mittelpunkt stellt, und danach fragt, ob es ein Entkommen aus der Geschichte gibt.

Als ihr Freund Johannes die schöne Undine (Paula Beer) für eine andere Frau verlassen will, kippt die Szene ins Unheimliche. Er wisse doch, dass sie ihn töten müsse, wenn er ginge, sagt sie mit bestimmtem Ton, ohne jede Aufregung. Der Mann lacht verunsichert und bleibt noch eine Weile im Café sitzen, doch schließlich ist er fort. Undine steht unter einem Zugzwang, der sich den Zuschauern nur erschließt, wenn sie sich an eine alte Geschichte erinnern: Als Wasserfrau, die auf dem Grund eines Waldsees lebt, kann Undine nur Mensch sein, wenn sie die Liebe eines Mannes gewinnt. Verrät er ihre Beziehung, bedeutet das seinen Tod – und Undines Rückkehr in die dunklen Fluten. Doch Christian Petzolds Nixe hat keine Lust mehr auf den Wiederholungszwang ihrer Geschichte, sie wünscht sich Freiheit und Selbstbestimmung. Als Historikerin arbeitet sie im Berliner Stadtmuseum, ungebunden, auf Honorarbasis. Dort erklärt sie Besuchern die architektonische Geschichte der Hauptstadt, und wie diese auf einem trockengelegten Sumpf erbaut wurde. Auch Undine möchte Land gewinnen und dem Wasser entkommen, das sie ruft.

Doch es dauert nicht lange und sie wird überschwemmt von Gefühlen, als ein junger Mann ihr folgt und in seiner Unbeholfenheit dabei ein Aquarium umstößt. Undine verliebt sich in Christoph (Franz Rogowski) und hofft, dass sie diesmal diejenige ist, die ihre Träume durch eine Beziehung verwirklichen kann, nicht bloß Projektionsfläche männlicher Sehnsucht ist. Immerhin ist Christoph selbst ein Wassermann, ein Industrietaucher, der sich mühelos auf dem dunklen Grund von Seen bewegt. Gibt es sie, die gleichberechtigte Beziehung, ohne Asymmetrie? Eine Weile hofft Undine es, in ihrem wortlosen Glück. Doch ein Blick zurück, über die Schulter ihres Geliebten, kündigt ein archaisches Verhängnis an. Es ist eine wunderschöne Einstellung, wenn Paula Beer am windigen Spree-Ufer mit ihren grünen, unergründlichen Augen dem sie gerade passierenden Exfreund nachblickt und von der Vergangenheit eingeholt wird. Christian Petzold findet in dieser Beziehungskonstellation zwischen Heimsuchung und Selbstbefreiung Zugang zu den Themen, die er in seinen Filmen immer wieder variiert. Kann es so etwas wie Emanzipation geben, oder gehen die Traumata der Geschichte dem Menschen immer schon soweit voraus, dass das eigene Leben von ihren Gespenstern überschatten wird? Petzold lässt Undine lange Vorträge über die bewegte Berliner Historie halten und macht die Zuschauer darüber auf das leere Zentrum der Stadt aufmerksam. Wo einst das Königliche Schloss stand, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, stand in der Zeit der DDR dort der Palast der Republik. Als Kulturforum sollte es für emanzipatorische Politik stehen. Trotz seiner wegweisenden Architektur wurde das Gebäude nach der Wende abgerissen, auch aufgrund der restaurativen Wünsche, das alte Schloss wieder aufzubauen. Heute befindet sich dort das umstrittene Humboldt Forum und versucht im Mantel des Vergangenen neuen kulturellen Ereignissen einen Rahmen zu geben. Dieser historische Diskurs macht „Undine“ nicht nur zu einer tragisch-ironischen Liebesgeschichte, sondern auch zu einem Stadtfilm der Berliner Schule, der von der Atmosphäre seiner Drehorte lebt.