Vaterland
Polen, Deutschland, Italien, Frankreich | 2026 | FSK 0
Cannes 2026: Beste Regie

Vorpremiere im VierLinden Open Air (leider ohne Gäste)
Einlass 19:00 Uhr, Filmbeginn bei Einbruch der Dunkelheit
Pawel Pawlikowski hat mit IDA (Oscar 2025) und COLD WAR (Silberne Palme, Cannes 2018) bereits zwei Meisterwerke vorgelegt. Sein neuer Film steht dem kaum nach. Er berichtet über die Deutschlandreise, die Thomas Mann (Hanns Zischler) 1949 zum 200. Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe unternommen hat. Zusammen mit seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) - die in Wirklichkeit nicht dabei war - reist er mit dem Auto durch das vom Krieg zerstörte Deutschland, besucht Städte wie Frankfurt, München und Weimar, wo er zu Ehren Goethes die Festrede hält.
Pawlikowski wählt wie schon bei IDA und COLD WAR das beinahe quadratische Academy Format, sowie Schwarzweiß-Bilder, die nicht nur seinem minimalistischen Stil entsprechen, sondern auch ein zerstörtes Deutschland zeigen, das irgendwie auch den den Zustand der Familie Mann spiegelt. Überhaupt scheint in diesem Film alles auf Null zu stehen und muss erst wieder aufgebaut werden. So versuchen der Osten wie der Westen, den Schriftsteller für ihre Sache zu vereinnahmen, und seine historischen Reden in Frankfurt und Weimar sind bei Pawlikowski nur Hintergrundmusik. Alle sonnen sich gerne im Ruhm des Nobelpreisträgers, haben aber längst ihre eigene Agenda geschrieben.
Wie ein Schatten hängt über allem der Selbstmord von Klaus Mann, der sich zeitgleich in Cannes ereignet und von den einzelnen Familienmitgliedern ziemlich kühl aufgenommen wird. Diese formale Emotions- oder Sprachlosigkeit wird von Pawlikowski und seinem Kameramann Łukasz Żal durch elegante Bild-Kompositionen aufgebrochen, die meisterhaft präzise die rohe, unterschwellige Unruhe in den zurückhaltenden Darstellungen von Hüller und Zischler zum Leben erwecken. Ein Bild sagt in diesem Film mehr als tausend Worte, und er belohnt den Zuschauer mit einer Schlussszene, die zu den schönsten emotionalen Höhepunkten des modernen Kinos zählt. Pawlikowski gewann den Preis für die Beste Regie.
Indiekino sprach mit Regisseur Pawel Pawlikowski.


