VorschauSTART | 08.12.2022

Weißes Rauschen

Eröffnungsfilm, Venedig 2022

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Weißes Rauschen - 2022
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Nach dem Roman von Don DeLillo versucht Noah Baumbach uns das Chaos des Lebens zu erklären. Die Gladneys, eine exemplarische amerikanische Familie mit vier Kindern, fühlt sich am sichersten im Supermarkt, insbesondere wenn alle Regale gut gefüllt sind. Dass diese Sicherheit auch trügerisch sein kann, erfährt Vater Jack (Adam Driver) im Laufe des Films gleich mehrfach.

Baumbach wechselt dabei laufend die Genres. Was als harmloser Familienfilm beginnt, verändert sich zum Katastrophenfilm, als ein LKW bei einem Unfall einen Gefahrguttransport-Zug zum Entgleisen bringt . Eine Katastrophe droht, bei der ein unbekannter Giftstoff austritt, der sich in Form einer giftigen Wolke seinem Heim nähert. Während Jack noch meint, der Gefahr durch das Schließen aller Fenster Herr werden zu können, verlassen seine Nachbarn schon in Panik ihr Heim. Die Bewohner werden in einem nahegelegenen Reservat untergebracht und erleben traumatische Zustände, wenn sie am nächsten Morgen weiter flüchten müssen. Das Chaos ist perfekt, alle laufen durcheinander, überfahren sich gegenseitig mit ihren Autos. Baumbachs Inszenierung dieser Szene erinnert an Romeros CRAZIES von 1973. Danach folgen wieder ruhigere Phasen, in denen die Tablettensucht der Mutter (Greta Gerwig) im Mittelpunkt steht. Sie hatte an klinischen Tests für ein neues Medikament teilgenommen, mit lebensbedrohlichen Folgen, für die sich Jack nun am federführenden deutschen Pharmaforscher (Lars Eidinger) rächen will und der Film zum Rachethriller wird.

Am Ende ist die ganze Familie wieder zuhause vereint und streift in bester Laune durch den gut gefüllten Supermarkt. Die Welt scheint wieder die alte zu sein, doch Baumbach hat uns zweieinhalb Stunden vorgeführt, an welch dünnem Faden unser Glück hängt. Wenn er reißt, herrscht Chaos. das er wie das weiße Rauschen eines Fernsehers ohne Empfang beschreibt. Hier überlagert sich das visuelle mit dem auditiven Chaos und vermittelt uns einen beängstigenden Eindruck von einer aus der Bahn geratenen Welt. An deren Zusammenbruch lassen sich nun die Faktoren erkennen, die sie zusammenhalten, angefangen vom grenzenlosen Konsum, über Drogen und Religion bis hin zum Waffen-Fetisch und weiteren Dingen, die den American Way of Life ausmachen.

WEISSES RAUSCHEN ist manchmal merkwürdig zerfahren, oft grell und übertrieben, und zieht seine Berechtigung aus den derzeitigen Katastrophen dieser Welt, die Anlass genug sind für eine neue Adaption von DeLillos Gesellschaftsroman der 1980er Jahre.

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