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VorschauSTART | 06.08.2020

Wir beide

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Wir beide - 2018 Filmposter
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Informationen

Die Uhr tickt. Unaufhaltsam verstreicht die Zeit. Pläne, Lebensentwürfe – man sollte sie umsetzen, solange man noch dazu in der Lage ist. Dass es dafür aber nie zu spät ist, ist die subtil-optimistische Botschaft dieses sehr bewegenden Films, der vermittels leiser Töne, kleiner Gesten und vielsagender Blicke die hoffnungsvolle Geschichte einer großen Liebe erzählt. Barbara Sukowa und Martine Chevallier spielen ein ungeoutetes, älteres lesbisches Paar, das sich selbst von einem zermürbenden Schicksalsschlag nicht trennen lässt, mit phänomenaler Intensität.

Nur ein Hausflur trennt die beiden Nachbarinnen Nina (Barbara Sukowa) und Madeleine (Martine Chevallier), die in Wahrheit nicht nur Nachbarinnen sind, sondern seit über zwanzig Jahren heimlich eine Beziehung führen. Madeleine gibt nach außen hin die trauernde Witwe und bringt es nicht über sich, ihren (erwachsenen) Kindern die Wahrheit zu erzählen. Ganz zum Leidwesen Ninas, die sich mit Madeleine eine Zukunft in bella Roma vorstellt, der verwunschenen Stadt ihrer ersten Begegnung, die nun auch die Szenerie ihres gemeinsamen Lebensabend sein soll. Die eher introvertierte Madeleine entzieht sich vom Wesen her schwierigen Situationen, und Nina muss sie immer triezen. Unter sich wirken die zwei älteren Damen wie zwei Mädchen, die einen liebevollen, fürsorglichen Umgang miteinander hegen. Darunter lauert zugleich Frustration, denn Nina wartet bald Jahrzehnte auf Madeleine. „Du bist erbärmlich!“ wirft sie ihr schließlich an den Kopf, als Madeleine ihren Kindern beim Geburtstagsessen – anders als versprochen – immer noch nicht die Wahrheit preisgibt. Der Liebe, die sie füreinander empfinden, tut das am Ende zwar keinen Abbruch, aber das Ausharren im Bekannten und die ewige Vorsicht fordern ihren Tribut: denn von einen Tag auf den anderen scheint alles zu spät und verloren, die zwei werden von der rennenden Zeit und der bitteren Realität des Alterns eingeholt: die Traumblase von Rom zerplatzt nämlich, als Madeleine einen Schlaganfall erleidet und die Fähigkeit des Sprechens verliert. Plötzlich ist da eine Pflegerin in ihrer Wohnung und Madeleines Tochter observiert die Mutter streng. Nina, die sonst nur wenige Schritte von ihrer Liebsten trennten, stößt mit einem Mal auf eine verschlossene Tür…

Zwei kleine Mädchen spielen in der Eröffnungssequenz Verstecken. Als das eine Mädchen auf einmal spurlos hinter einem Baum verschwindet, bleibt das andere irritiert stehen, forscht nach der Freundin. Dieses Versteckspiel gerät neben dem Vergehen der Zeit zur leitenden Metapher des Films, denn fortan ist es Nina, die Wege und Lösungen finden muss, um zu ihrer hilflosen, abgeschotteten Partnerin durchzudringen. Schwach und verbal nicht durchsetzungsfähig, muss Madeleine mit teils hellwachem Blick mitverfolgen, wie Nina, die in den Augen der Tochter nur eine nette (etwas aufdringliche) Nachbarin ist, dauernd abgewimmelt wird. Spätnachts wird dann ihre Tochter davon aufgeschreckt, dass Madeleine, die sich offenbar an die antizipierte (und nun verunmöglichte) Romreise erinnert, in manischer Verzweiflung Kleidung in einen Koffer schleudert. Dass der Film trotz solcher tragischen Momente nicht vor Schwermut trieft, liegt an der zwischen subtilen Humor und einfühlsamer Zurückhaltung alternierenden Inszenierungsweise, sowie an der Figur der energischen, ausgefuchsten Nina, die der ungeahnten Situation mit Einfallsreichtum und Mut begegnet.