„Von so einem können wir uns heute ’ne Scheibe abschneiden.“

Am 31.10.2026 war Regisseur Jens Meurer zu Gast im Metropol, um seinen neuen Dokumentarfilm BIERMANN vorzustellen. Nach dem Film erzählte er, dass er Wolf Biermann zufällig kennengelernt hatte und angesichts der ungebrochenen Vitalität des nahezu Neunzigjährigen schnell auf die Idee kam, einen Film über dessen spannendes Leben zu machen, solange es noch unter seiner Mitwirkung geht:

„Ich mache ja nur Dokumentarfilme über Leute, die noch leben,“ so Meurer: „Und in diesem Fall bestand mein Job zunächst vor allem darin, zwei Jahre mit Biermann abzuhängen. Gegen ein Uhr nachts holte er meist die Gitarre raus und ich konnte es kaum fassen: Wolf Biermann spielt privat extra für mich! Bis er mit sagte, dass das seine Art ist, ein bisschen zu üben – sonst sei er dazu zu faul.“

Bei seinem Porträt ließ Biermann Meurer alle Freiheiten, sah seinen Beitrag vor allem darin, sich nicht einzumischen: „Der letzte Film über ihn ist von 1982. Und er fand es gut, dass ich ihn einfach begleite, anstatt mit Karteikarten voller Fragen vor ihm zu sitzen, von denen sich normalerweise die meisten um das Kölner Konzert von 1976 und seine Ausbürgerung drehen.“

In diesem Zusammenhang erzählte Meurer auch von einem rührenden Moment, der es nicht in den Film geschafft hat: „Als wir in Köln waren, wollte Biermann unbedingt auch in Zons vorbei: Da hat er ’76 am Tag nach dem Konzert ein paar Kiesel am Rhein gesammelt, um sie seinen Freunden in der DDR als Andenken mitzubringen. Da wusste er noch gar nicht, dass er nicht zurückgehen würde. Er bezeichnet den Tag bis heute als den schönsten in seinem Leben.“

Für Meurer ist Biermanns Biografie der perfekte Ausgangspunkt, um sich mit der deutsch-deutschen Geschichte zu beschäftigen, und er zeigte sich richtiggehend irritiert darüber, dass es erst schwer war, den Film überhaupt finanziert zu bekommen und dass nun auch eine Empfehlung für den Schulunterricht bislang abgelehnt wurde: „In dem Schreiben hieß es, Biermann sei für die Schüler von heute ‚unzumutbar‘. Meine Erfahrung ist, dass Kinder den ziemlich spannend finden und hinterher viele Fragen haben. Deshalb bitte ich Sie: Gehen Sie mit ihren Kindern da rein! Von so einem wie dem Biermann können wir uns doch heute eigentlich ’ne Scheibe abschneiden.“