SCHWARZE HÄUSER: Premiere im Metropol

Zur Düsseldorfer Premiere des Dokumentarfilms SCHWARZE HÄUSER begrüßten wir am 14.7.2026 Detlef Lichtrauter im Metropol, Protagonist im Film und Vorsitzender des Vereins Aufarbeitung Kinderverschickungen NRW.

Nach dem Film erklärte er, konfrontiert mit der Frage, wie das alles überhaupt passieren konnte, dass man sich bei aller verständlichen Bestürzung klar machen müsse, dass die Absichten nach aktueller Recherchelage zunächst durchaus Gute waren: Den Kindern im Nachkriegsdeutschland ging es wirklich nicht gut und eine „Erholungskur“ hielt man für eine gute Idee.

Allerdings waren neben den geringen Mitteln, die für zu wenig und oft schlecht geschultes Personal sorgten, auch die damals noch gültigen erzieherischen und medizinischen Vorstellungen ein Problem. Aus heutiger Sicht haarsträubende Verfehlungen wie etwa das Sedieren der Kinder mit leichten Psychopharmaka, fragwürdige Praktiken wie „Kriechkuren“ in Unterwäsche und Gewalt in Form der sog. „schwarzen Pädagogik“ aus dem 19. Jahrhundert wurden im Nachkriegsdeutschland noch ausdrücklich empfohlen.

Gefragt nach einem Zusammenhang mit den Landverschickungen durch die Nazis während des Krieges bestätigte Lichtrauter eine belegbare Kontinuität: „Natürlich. Nicht nur die Einrichtungen, die z.T. auch schon vor dem dritten Reich existiert hatten, waren dieselben. Auch das Personal war ja vorher sozialisiert worden. Vor allem aber in der Idee der Verschickung überhaupt, ohne Eltern, sehen viele ein klares Erbe aus der NS-Zeit.“

Neben seinem Einsatz mit dem Verein, die Verantwortlichen zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen, betonte Lichtrauter sein Hauptanliegen, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen: „Unterbesetzung, hoher Krankenstand – das kennen wir ja heute auch. Und das, was damals passiert ist, hatte vor allem strukturelle Gründe. Es geht darum, zu verhindern, dass so etwas wieder passiert.“