RIP Peter Sempel (1954-2026)

Der Tod von Peter Sempel hinterlässt eine Lücke, die sich nicht so leicht beschreiben lässt – und vielleicht auch gar nicht beschreiben lassen will. Denn Sempel war keiner, der sich in glatte Nachrufe pressen ließ. Er war eigen, widersprüchlich, ein bisschen unbequem – und dabei zutiefst lebendig.
Wer ihm begegnete, traf keinen „klassischen“ Filmemacher. Sondern eher einen rastlosen Unabhängigen, der seine Filmkopien selbst schleppte, wenn man ihn vom Bahnhof abholte. Einer, der nicht wartete, dass ihm jemand den roten Teppich ausrollt – sondern einfach kam, mit dem, was er hatte. Irgendwie auch ein Punk, im besten Sinne: unabhängig, unangepasst, kompromisslos.
In der Düsseldorfer Altstadt hinterließ er beim damaligen Besuch Spuren, die so flüchtig waren wie seine Kunst – ein mit Edding verziertes Straßenschild, Street-Art a la Peter, ein kleiner Eingriff in den Alltag, den man leicht übersehen konnte und doch nie ganz vergaß. Im Kino wiederum lebte er, halb augenzwinkernd, von der Snacktheke, während er gleichzeitig seine eigenen Werke unter die Leute brachte: Postkarten, Plakate, kleine Kunststücke, die genauso viel über ihn erzählten wie seine Filme.
Wenn Peter erzählte, dann hörte man zu. Seine Geschichten – von Begegnungen, Reisen, Absurditäten des Lebens – hatten einen ganz eigenen Rhythmus. Sie waren wild, manchmal überbordend, aber immer getragen von seiner unverwechselbaren Art. Und dann waren da diese Postkarten. Bunt, selbst gestaltet, regelmäßig im Büro der Düsseldorfer Filmkunstkinos eintreffend. Kleine Lebenszeichen, irgendwo zwischen Kunstwerk und Gruß, zwischen Mitteilung und Performance. Sie waren vielleicht die ehrlichste Form seiner Kommunikation: direkt, persönlich, unkonventionell.
Peter war kein einfacher Mensch, aber einer, den man einfach mögen musste. Einer, dem man vieles durchgehen ließ, weil er einem dafür etwas zurückgab, das selten geworden ist: echte Eigenwilligkeit, gepaart mit Humor und einer unerschütterlichen Lust am Erzählen.
Mit ihm geht nicht nur ein Filmemacher und Fotograf, sondern ein Original und wahrscheinlich einer der letzten Independent-Filmemacher, die diesen Namen auch verdienen.