Gemäß den aktuell verhängten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus schließen die Düsseldorfer Filmkunstkinos voraussichtlich bis Ende März ihre Pforten. Weitere Hinweise

Kino vs Streaming

Anfang Dezember kündigte Warner an, dass sie ihre gesamte Staffel im
nächsten Jahr zeitgleich im Kino und im Netz anbieten werden. Damit
haben sie die gesamte Branche nicht nur überrascht, sondern auch mächtig
vor den Kopf gestoßen. “Einige unserer größten  Filmemacher und bedeu-
tendsten Filmstars gingen gestern noch mit dem Gefühl ins Bett für eines
der großartigsten Filmstudios zu arbeiten, um heute Morgen aufzuwachen
und sich bewusst zu werden, dass es nur ein schlechter Streaming Service ist.” kommentierte Christopher Nolan diese Entscheidung gegenüber dem “Hollywood Reporter”.

Tatsächlich bin ich in letzter Zeit oft gefragt worden, ob das Kino überhaupt eine Überlebenschance angesichts all der Streaming-Portale habe. Und ja, ich bin weiter positiv gestimmt, ist es doch am Ende der Kinobesucher selbst, der über das Schicksal der Lichtspielhäuser entscheidet. Angesichts der Corona-Krise kann man doch verstehen, dass die großen Major Companies mit solchen Gedanken spielen. Schließlich warten etliche Filme, die mit einigen Milliarden Dollar vorfinanziert wurden, auf ihren Einsatz. Doch die Kinos sind weltweit geschlossen oder dürfen nur mit sehr begrenzten Kapazitäten wieder öffnen, ein Szenario, was sich sicherlich noch weit ins nächste Jahr erstrecken wird. Ein exklusiver Kinostart ist unter diesen Bedingungen nicht möglich, und wenn alle warten, bis Kino wieder sicher ist, stehen soviele große Filme zum Start bereit, dass sie sich nur gegenseitig kannibalisieren werden. Deswegen erklärt Warner seinen Schritt auch als ‘win-win’-Situation, denn was nutzt es den Kinos, wenn sie wieder öffnen dürfen, aber keine Filme da sind, die sich zu starten lohnen. Mit einem ‘day-and-date’- Start im Kino und im Netz, wären die Filme für die Kinos verfügbar und das für den Verleih wichtige Recoupment kann vielleicht zusammen mit dem Streaming-Einsatz erreicht werden. Sicherlich ein Experiment, das vielleicht gar nicht so dumm ist, doch wenn es funktioniert, wird wohl niemand die Auswertungsstrategie in post Corona-Zeiten wieder zurückdrehen. Deswegen reagiert die Branchen so dünnhäutig, gemäß dem Motto: “Wehret den Anfängen.”

Dabei wird in dieser Diskussion gerne vergessen, welch einen enormer Unterschied es macht, einen Film im Kino oder auf der heimischen Mattscheibe zu sehen. Im dunklen Kinosaal starrt man gebannt auf die Leinwand, ist viel aufmerksamer, während zu Hause das Telefon klingelt, die Spülmaschine rattert oder die Kinder quengeln. Auch das Gemeinschaftserlebnis wird sich hier nicht einstellen, jedenfalls nicht so, wie in einem ausverkauften Kino, wo man mit vielen Gleichgesinnten lacht, weint oder vor Spannung den Atem anhält. Ins Kino gehen heißt nicht nur einen Film schauen, es heißt eine Film zu erleben, Emotionen mit anderen zu teilen, eine Erfahrung, die man in unserer Gesellschaft nicht mehr an allzu vielen Orten machen kann. Doch all dies muss ich unseren Besuchern nicht erklären, das wissen und schätzen sie, nur deswegen gehen sie ja ins Kino.

Viel mehr Angst machen mir da Streamingdienste à la Netflix, die mit sehr sehr viel ‘stupid money’ unterwegs sind, um das Geschäftsmodell Kino zu zerstören. So kaufen sie Filme für Preise auf, bei denen selbst die großen Studios passen, weil sie nicht zu refinanzieren sind. Für Netflix übrigens auch nicht, doch denen geht es nur um Publicity, die sie noch bekannter machen, damit sie noch mehr Abos verkaufen können und so Banken und Hedgefonds überreden können, ihnen noch mehr Geld zu leihen. Gewinn haben sie bisher nicht gemacht und ihr Schuldenberg wird immer größer. Wenn dies kein Schneeballsystem ist, dann kann dieses Geschäftsmodell nur aufgehen, wenn alle Kinos schließen müssen und man Filme am Ende nur noch streamen kann. Dann würden sich sicherlich sehr schnell die Produktionsbedingungen ändern, denn man muss wirklich keine 200 Millionen Dollar in die Hand nehmen, um einen ordentlichen Fernsehfilm herzustellen, der womöglich hauptsächlich auf Notebooks, Tablets und Smartphones gesehen wird.
Ich weiß noch, wie Bernd Eichinger vor 30 Jahren seinen Cinedom in Köln eröffnete und sichtlich stolz war, den vielen technisch enorm aufwendigen Filmen à la STAR WARS endlich ein Haus bieten zu können. das ihnen zumindest technisch auf Augenhöhe begegnet. Damals mussten alle Kinos, die den Film spielen wollten, ein THX Soundsystem einbauen, das George Lucas zusammen mit seiner Firma Industrial Light & Magic entwickelt hatte und nun vor Ort in den Kinos überprüfen ließ. Kaum vorzustellen, dass jemand heute den Filmfans das Handy vorschreibt, auf dem sie einen Film genießen dürfen.
Es gibt sicherlich noch etliche, ähnlich absurde Geschichten, die zeigen, wie groß der Unterschied zwischen Kino und Heimkino ist, doch den muss man eigentlich niemanden erklären und schon gar keinem Filmfreund. Deswegen lege ich das Schicksal unserer Kinos nach Corona gerne und vertrauensvoll in die Hände unseres Publikums. Möge das Filmjahr 2021 uns viele tolle Filme bringen, die die Misere des alten Jahres schnell vergessen lässt.