Außer Atem

Beste Regie, Berlinale 1960

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Ausser Atem - 1960 Filmposter

zum Start von NOUVELLE VAGUE 

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Nach diesem Film werde das Kino nie mehr so sein wie zuvor – das soll François Truffaut nach der Premiere von "Außer Atem" gesagt haben. In den Straßen von Paris gedreht, mit jungen Darstellern, die sich frei vor der Kamera bewegen, und einem schnellen Rhythmus brachte dieser Film wie kein anderer das Lebensgefühl der 1960er Jahre zum Ausdruck. In ihrer Suche nach Glück und Freiheit wurden die beiden zu Ikonen der Jugendkultur, die Darsteller Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo zu Stars der Nouvelle Vague.

Und vor allem hat der Film nichts von seinem Charme verloren. Denn Jean-Paul Belmondos kettenrauchender Ganove Michel Poiccard ist in seiner Manieriertheit, seinem zitieren von Bogart-Posen immer noch so cool wie 1959. Und Jean Seberg als angehende Journalisten Patricia Franchini, nun, es gibt wohl kaum einen hinreißenderen Grund, um den Kopf zu verlieren.

Dass der Aufbruch der Nouvelle Vague, die sich dem festgefahrenen, konservativen ‚Cinema de Papa‘ entgegensetzte, mit einer banalen Gangstergeschichte begann, ist eine Ironie der Filmgeschichte. Godard aber, der bis dahin Kritiken und Pamphlete ebenso verfaßte wie Huldigungen an die Epigonen Hollywoods, nimmt die Story des Ganovens, der – eher aus Versehen, aber ganz gewiß ohne Reue – einen Polizistin erschießt und nach Paris flieht, und dreht das innerste nach außen. Zwar gibt es auch hier Kommissare und Verhöre, doch ob Belmondo geschnappt wird oder nicht, ist letztendlich egal. Viel wichtiger ist die Darstellung des Lebensstils, die Rastlosigkeit der Montmartre Clique und die endlosen Dialoge. In oft minutenlangen Einstellungen schwadronieren Belmondo und Seberg über alles und nichts, über Mozart, die Liebe und vor allem über den Sinn des Lebens.

Die filmische Bedeutung von AUSSER ATEM ist unbestritten. Hier war ein Film der sich nicht um Kontinuität kümmerte, keine Rücksicht auf die ach so festgeschriebenen Regeln der Bildkomposition und des Schnitts nahm. Er ist jedoch nicht nur als filmhistorisches Dokument sehenswert. Wie nur wenige Godard-Filme hat er die Jahre unbeschadet überstanden, fesselt auch heute noch. Die ruhelose, hektische Machart hat nichts von ihrem Sog verloren und Belmondo und Seberg sind ohnehin zu Ikonen der Filmgeschichte geworden.

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