BlacKKKlansman

AWARDS: Großer Preis der Jury Cannes 2018

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BlacKKKlansman - 2018

Die wahre Geschichte eines Afroamerikaners, dem es gelang, sich als Undercover-Cop beim Ku-Klux-Klan einzuschleusen, macht der legendäre Spike Lee („Do the Right Thing“) zu einer beschwingten Komödie mit ernstem Anliegen: „BlacKKKlansman“ zeigt, dass Rassismus in den USA niemals bloß Gegenstand einer Geschichtsstunde sein kann, sondern eine traurige Aktualität mit langer Tradition ist. Eine Auseinandersetzung mit der Gesinnung Donald Trumps und seiner Anhänger wird daher umso dringlicher.

Als der junge Ron Stallworth (John David Washington) seinen Dienst als erster schwarzer Polizist in Colorado Springs antritt, muss er sich mental auf einiges vorbereiten. Schon beim Einstellungsgespräch wird er von seinen besorgten Vorgesetzten gefragt, ob ihm klar sei, welchen Anfeindungen er sich möglicherweise aussetzen wird. Das betrifft nicht nur die Präsenz auf der Straße, sondern auch die Anerkennung in den eigenen Reihen des Präsidiums. Sich zu behaupten, ist für Ron kein Problem, als er jedoch in der Tageszeitung eine ganz normale Annonce des rassistischen Ku-Klux-Klans sieht, die wie ein Golfclub um Mitglieder wirbt, platzt ihm der Kragen. Selbstbewusst bittet er seinen Chef, ihn zu einem Sondereinsatz abzustellen, den er mit Hilfe seines jungen Kollegen Flip Zimmermann (Adam Driver) durchführen will: Die Infiltrierung des Klans und das Publikmachen von rassistischen Verbrechen, die von den Mitgliedern verübt werden.

Ron und Flip teilen sich fortan ihre Identität. Der eine überzeugt durch seine Wortgewandtheit am Telefon und der andere bei den Treffen als zynischer Redneck. Doch die Konstruktion ist natürlich mehr als gewagt, nicht nur, weil Flip selbst jüdischer Herkunft ist. Stimme und Körper fallen auseinander und schon bald schöpfen einige Mitglieder Verdacht. Zwar lässt sich dieser durch die Einheitsfantasien der rechten Rhetoriken, die Ron und Flip spielerisch und übertrieben einsetzen, immer wieder zerstreuen, doch da Spike Lee den Film als eine Art Verwechslungskomödie angelegt hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis durch einen dummen Zufall alles auffliegt und beide um ihr Leben fürchten müssen.

Solche Zugeständnisse an die Funktionsweisen des Mainstreamkinos kann man fragwürdig finden, gerade weil Spike Lee auch den rassistischen Stummfilm „Birth of a Nation“ von D.W. Griffith aufgreift, der als Vorläufer des klassischen Hollywoodkinos mit seiner kontrastierenden Schwarz-Weiß-Logik gilt. Hier hätte Lee mehr ästhetische Experimentierfreude zeigen können, die er in seinen früheren Arbeiten durchaus eingesetzt hat. Andererseits ist es verständlich, dass er mit „BlacKKKlansman“ auch einen Film drehen wollte, der ein großes Publikum erreicht und somit auf Unterhaltung und Emotionalisierung setzt. Diese wird jedoch nie plump verwendet und erreicht auf mehreren Ebenen ihr Ziel einer Politisierung der Zuschauer.

Am deutlichsten wird die Kritik jedoch im letzten Teil, als Lee uns über einen längeren Zeitraum mit Handy-Aufnahmen der rassistischen Übergriffe der letzten Jahre konfrontiert. Sein Film ist somit auch als ein direkter Beitrag zur „Black Lives Matter“-Bewegung zu verstehen, die sich gegen die verstärkte Legitimation von Ausschließung und Aggression durch die Trump Regierung behaupten muss. Den Hass zu unterwandern und durch das Spielerische die beschränkten und unflexiblen Logiken der Rechten zu stören – diese Aufgabe gelingt Spike Lees Film bravourös. Ausgezeichnet wurde er dafür mit dem Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes.