Blue Moon
Vereinigte Staaten | 2025 | FSK TBA
Berlinale 2025

In Richard Linklaters BLUE MOON spielt Ethan Hawke den berühmten Songtexter Lorenz Hart, der zusammen mit seinem Kompagnon Richard Rodgers das berühmte Duo Rodgers & Hart bildete. Zwei deutsch-jüdische Immigranten, die gemeinsam 28 Bühnen-Musicals und über 500 Songs geschrieben haben, darunter "My Funny Valentine", "The Lady Is a Tramp" und das titelgebende Stück “Blue Moon”.
Trotzdem hatte es Hart nicht leicht, er litt unter seiner Homosexualität, wurde deswegen oft angefeindet und wurde zum Alkoholiker, was zur Trennung der beiden Musiker führte. Der Film spielt nun am Premierenabend des Musicals „Oklahoma!“ im Jahr 1943. Es war das erste Stück von Rodgers, für das nicht Hart, sondern dessen Schulfreund Oscar Hammerstein die Texte geschrieben hat. Hart hält es nicht lange im Konzertsaal aus, sondern flüchtet lieber an die Bar, wo er den ganzen Abend vergeblich versucht, dem Alkohol zu widerstehen. Dabei trifft er auf allerlei Kollegen, die er gerne an seinen Gedanken teilhaben lässt, nach ihrer Meinung befragt und um ein wenig Aufmerksamkeit flirtet.
Linklaters Dialoge zeigen dabei erstaunliche Gegensätze, wechseln von lustig bis traurig, von euphorisch bis sentimental und von klug bis albern, was dem Film eine ungeheure Dynamik verleiht. Dabei sind sie so messerscharf, pointiert und witzig, dass am Ende des Abends das Psychogramm eines großen Künstlers von trauriger Gestalt entsteht, den Ethan Hawk ohne jegliche Eitelkeit, ja mit Mut zur Hässlichkeit spielt. Sein Lorenz Hart ist ein kleiner, unauffälliger Mann, der sein schütteres Haar mit viel Pomade nach hinten gekämmt trägt, von dem niemand Notiz nehmen würde, wäre da nicht sein brillanter Witz und seine ungemeine Eloquenz, die zeigen, dass in einem jämmerlichen Körper ein großer Geist stecken kann.


