Brügge sehen... und sterben

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Brügge sehen... und sterben 2008 Filmposter

Zwei Profikiller im Zwangsurlaub und das ausgerechnet im verschlafen Herzen Flanderns – Brügge. Des Einen Freud ist des Anderen Leid, denn während Ken sich auf Anhieb in die Stadt mit den verschlungenen Grachten und Museen verliebt, zieht es Ray eher in Bars, um etwas Dampf abzulassen, denn ihm stinkt die Stadt gehörig. Und Abwechslung für den Heißsporn findet sich allemal, seien es Wortgefechte mit amerikanischen Touristen, handfeste Auseinandersetzungen mit eifersüchtigen Drogendealern oder aber wilde Parties mit einem zwergwüchsigen Schauspieler und holländischen Nutten. Martin McDonaghs Krimikomödie ist ein wahres Feuerwerk an skurrilen Wendungen, Wort– und Spielwitz.

Brügge bedeutet für Ray (Colin Farrell) eine Strafversetzung, nachdem in London sein erster Auftrag im Profikillerbusiness schief gelaufen ist. Ken (Brendan Gleeson) hingegen, sein Ausbilder und langjährig erfahrener Hase der Mordbranche findet schnell Gefallen an all der Kultur, der Beschaulichkeit und die Chance zur inneren Einkehr, die ihm Brügge verheißt. In Erwartung auf die nächsten Anweisungen ihres Bosses Harry (Ralph Fiennes), verharren die beiden im gemeinsamen Hotelzimmer und gehen sich schnell gehörig auf die Nerven. Ray hält es dort schließlich nicht mehr aus, da der Boss ohnehin schon seit drei Tagen nichts von sich hat hören lassen. Ken stimmt so auch widerwillig zu, ihm einen Absacker im Pub zu gewähren, jedoch nur unter der Prämisse dabei keinesfalls Aufsehen zu erregen. Für den Draufgänger ist dies jedoch leichter gesagt als getan, denn schon beim ersten Barbesuch kommt er nicht um eine Prügelei herum. Vor lauter Langeweile schafft er es auch die folgenden Tage, sich immer wieder in die unmöglichsten Situationen hinein zu manövrieren. Eines Abends dann kommt der lang erwartete Anruf, den der im Zimmer zurückgebliebene Ken entgegennimmt. Unmissverständlich eröffnet Harry ihm, dass der vermeintliche Urlaub in Wahrheit als Abschiedsgeschenk an Ray gedacht ist, denn sein Fehler, der – bei der Ausführung seines Auftrages – ein Kind das Leben kostete, ist unverzeihlich. Somit erhält Ken einen Auftrag, der ihn vor die Frage stellt was ihm wichtiger ist: seine väterlich beschützenden Gefühlen zu seinem Protegé oder sein Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Boss.
So entfaltet sich im idyllischen Brügge ein tödliches Beziehungsdreieck das Regisseur Martin McDonagh rasant, humorvoll und mit makaberen Einfällen in Szene gesetzt hat. Neben grandiosen Dialogen, die gerne mal absurd–philosophisch daherkommen, versteht der Regiedebütant es zudem außerordentlich komplexe Charaktere zu etablieren, die innerliche Kämpfe ausfechten, und verleiht so dem Film eine Tiefe, die weit über bloßen Unterhaltungswert hinausgeht. Dass Brendon Gleeson (Breakfast on Pluto) und Ralph Fiennes (Der ewige Gärtner) mit ihrer schauspielerischen Wandlungsfähigkeit ohnehin dem Ganzen noch das Sahnehäubchen aufsetzen, soll nicht weiter überraschen, jedoch Colin Farrell mit seiner selbstironischen Darstellung dafür umso mehr. Technisch und inhaltlich nahezu vollkommen, erweist sich BRÜGGE SEHEN … UND STERBEN? somit nicht nur als eine Ode an die Stadt, die in all ihrer Schönheit perfekt in Szene gesetzt wurde, sondern auch als eine intelligente Krimi–Komödie mit typisch britischem Humor. Ein Film zum mehrmals gucken!

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