Calle Málaga- Ein Zuhause in Tanger
Frankreich, Spanien, Marokko, Deutschland, Belgien | 2025 | FSK TBA
Spotlight Audience Award, Venedig 2025

Ein wunderschönes Wiedersehen mit der inzwischen achtzigjährigen Almodóvar-Ikone Carmen Maura beschert uns dieser Film, der in der Calle Malaga im marokkanischen Tanger spielt, wo fast ausschließlich Spanier wohnen.
Die Witwe María Ángeles ist hier geboren worden. Ihre Familie hat es auf der Flucht vor der Franco-Diktatur in Spanien hierher verschlagen. Sie fühlt sich hier wohl und betrachtet die marokkanische Hafenstadt als ihre Heimat. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihre Tochter Clara aus dem fernen Madrid auftaucht und verkündet, sie werde das Apartment, in dem Maria lebt, verkaufen. Clara ist in finanziellen Nöten, und da der verstorbene Vater die Wohnung ihr allein vererbt hat, kann sie so verfahren. Maria ist entsetzt und will von den Vorschlägen ihrer Tochter nichts wissen: sie will weder mit ihr nach Madrid ziehen noch als Alternative in Tanger in einem Altenheim ihren Lebensabend verbringen, auch wenn der Aufenthalt für in Tanger Geborene kostenfrei ist.
Zum Schein geht sie auf letztere Alternative ein, doch sobald ihre Tochter abgereist ist, büxt sie aus, bricht in ihre alte zum Verkauf stehende Wohnung ein und tut so, als sei nichts gewesen. Was nicht ganz einfach ist, denn die Wohnung ist inzwischen fast leer geräumt. Doch Maria sprudelt vor Einfallsreichtum, mit viel Energie gelingt es ihr, ihre Einrichtung Stück für Stück zurück zu bekommen. Die finanziellen Mittel dafür beschafft sie sich durch eine geniale Idee: Sie verwandelt ihre Wohnung in eine Art Sportbar für die Nachbarschaft. Mit selbstgemachtem Essen und ausreichend Bier zeigt sie dort spanische Liga-Spiele. Bald floriert die neue Bar und nicht nur das: Zwischen ihr und dem grummeligen alten Antiquitätenhändler Abslam, bei dem sie ihre Wohnungsausstattung zurückgekauft hat, entwickelt sich eine zarte Romanze.
Mit der Wahl von Carmen Maura als Hauptdarstellerin bringt Maryam Touzani eine wunderbare Charakterdarstellerin zurück auf die Leinwand, die den Film trägt und in ihrem Kampf um Autonomie alle Register zieht. Sie lässt ihren Charme und Humor sprühen, zeigt aber auch Verletzlichkeit. Ganz allgemein ist der Film mit einem feinen Humor durchzogen, etwa bei Marias „Gesprächen“ mit einer befreundeten Nonne, die ein Schweigegelübde abgelegt hat, aber ihre Antworten durch ihre Mimik vortrefflich auszudrücken weiß.
Die Regisseurin schöpft bei ihrem Werk aus eigenen Erinnerungen an ihre Großmutter und thematisiert das Unverständnis der jüngeren Generation gegenüber der Liebe der Älteren zu ihrer Wahlheimat Marokko: „Mit María Ángeles wollte ich die gesellschaftlichen Ansichten zum Thema Altern – die Erwartungen, Vorurteile und Barrieren – hinterfragen und dazu aufrufen, diese zu durchbrechen. Ich plädiere für das Recht, so zu altern, wie wir es möchten. Ich wollte eine andere Geschichte erzählen: eine, die lebendig, sinnlich und trotzig ist. Und damit zu meinen Wurzeln zurückkehren, um meinen ersten Spielfilm in dieser Stadt zu drehen, die auch meine Heimat ist.“


