Ein großes Versprechen

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Ein großes Versprechen - 2021 poster
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Wie gelingt es, würdevoll zu altern und dennoch seinen Wünschen und dem inneren Antrieb treu zu bleiben? Wie geht man mit einer schweren Krankheit des Partners um, der seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann? Und wie geht man damit um, wenn dieser sich nicht helfen lassen möchte? All diesen Fragen spürt Debütfilmerin Wendla Nölle in „Ein großes Versprechen“ nach. Das Drama fordert den Betrachter und konfrontiert ihn mit bisweilen ambivalenten Entscheidungen der Figuren, verfügt aber über einen herausragenden Cast sowie berührende Momente entwaffnender Zuneigung und Verletzlichkeit.

Juditha (Dagmar Manzel) und Erik (Rolf Lassgård) sind seit vielen Jahren verheiratet, haben eine Tochter großgezogen und gemeinsam ein zufriedenes Leben geführt. Jetzt, da für Uni-Professor Erik die Pensionierung kurz bevorsteht, soll künftig endlich mehr Zeit füreinander sein. Und für gemeinsame Erlebnisse. Doch der neue Alltag gestaltet sich für Beide schwerer als erwartet: Judithas MS-Erkrankung schreitet stärker voran und Erik erdrückt die häusliche Enge. Die Wünsche und Erwartungen könnten gegensätzlicher nicht sein. Juditha möchte endlich ein ruhiges Leben führen, in dem die Zeit mit ihrem Mann im Mittelpunkt steht, während Erik noch immer nach neuen Aufgaben und Herausforderungen sucht. Schaffen sie es, sich ihre widerstreitenden Wünsche einzugestehen?

Mit „Ein großes Versprechen“ legt die bisherige Dokufilmerin Wendla Nölle ihr Spielfilmdebüt vor, das stark von eigenen Erfahrungen geprägt ist. In gewisser Weise steht der Film für die Lebensgeschichte der Eltern von Nölle. Sie legt ihr konzentriert erzähltes Werk als Kammerspiel an, das nur selten das Haus von Juditha und Erik verlässt. Rund zwei Drittel des Films spielen in den Räumlichkeiten des Hauses oder im Garten, was natürlich vor allem Judithas eingeschränkter Mobilität geschuldet ist.

Es ist die immer stärker werdende Abhängigkeit von anderen und der allmähliche Verlust einiger zentraler menschlicher Grundfähigkeiten (gehen, greifen, die allgemeine Beweglichkeit), an dem Juditha zu zerbrechen droht. Und an der Tatsache, dass Erik nach dem Renteneintritt eben doch nicht das Engagement und die Zeit aufbringen kann (oder will), die sie sich für den gemeinsamen Lebensabend gewünscht hat. Dagmar Manzel trägt diese physische und emotionale Tortur mit einer ungemein ausdrucksstarken und glaubhaften Performance.

Auch wenn ihre Figur es Erik und gleichsam dem Zuschauer nicht immer leicht macht. Nicht selten zeigt sich Juditha störrisch und beharrt mit aller Konsequenz darauf, einfach keine Hilfe von außen annehmen zu wollen. Zudem ist sie uneinsichtig: Sie leugnet die zunehmende Verschlechterung ihres Zustandes, verweigert die neuen Medikamente und verwehrt sich den so wichtigen physiotherapeutischen Maßnahmen.

Manzel gegenüber steht der nicht minder brillant aufspielende Rolf Lassgård. Problemlos geling es ihm, auf natürliche und emotionale Weise die Gefühle und Befindlichkeiten seiner Figur offenzulegen. Ausgewogen schildert „Ein großes Versprechen“ darüber hinaus die unterschiedlichen Ansichten und Beweggründe der beiden Hauptfiguren, ohne Partei für eine oder andere Seite zu ergreifen.

Wendla Nölle kreiert ergreifende, kraftvolle Momente von großer Dringlich- und Verletzlichkeit. In den meisten dieser, oft sehr intimen Szenen, offenbaren sich eine berührende Zärtlichkeit im Umgang miteinander und die nach wie vor bestehende Liebe zwischen Erik und Juditha. Etwa gleich zu Beginn beim Austausch von Intimitäten oder in einer besonders ergreifenden Szene im Garten, wenn die Körper der Beiden regelrecht miteinander verschmelzen.

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