VorschauSTART | 08.10.2026

Eine Krankheit wie ein Gedicht

Publikumspreis 2026 Max Ophüls & Frauenfilmfestival

Infos Vorführungen

Eine Krankheit wie ein Gedicht - 2026

Premiere mit Gästen

mit Regisseurin Jelena Ilić

Informationen

Fünf Jahre saß ihr Vater in der forensischen Psychiatrie, seine Freilassung rückt näher – an diesem Punkt beginnt Jelena Ilićs sehr persönliches Langfilmdebüt.

Die Filmemacherin verarbeitet ihre Familiengeschichte mit einem ganzen Werkzeugkasten künstlerischer Mittel: Fotografien und animierte Zeichnungen lassen ihre Erinnerungen lebendig werden und machen die Psychose ihres Vaters greifbar. Im Zentrum der Beziehung steht ein gemeinsames Buch, das seit Jahren zwischen ihrem Zuhause und der Forensik hin- und herpendelt. Vater und Tochter füllen abwechselnd eine Seite, es ist ihre Art der Annäherung, nachdem jahrelang kein Kontakt bestand, und zugleich eine starke Komponente, die die beiden seit ihrer Kindheit immer verbunden hat: die künstlerische Ausdrucksform. Gemeinsam versuchen sie, die verlorene Zeit aufzuarbeiten.
Jelena erzählt, wie sich ihr Blick verändert hat, seit sie eine eindeutige Diagnose für ihren Vater hat und zu verstehen glaubt, wie er sich fühlt – Dinge, die sie sich gewünscht hätte, früher zu verstehen: dass es sich nicht bloß um wiederkehrenden Drogenmissbrauch handelte. Auch ihre Mutter kommt zu Wort, erzählt davon, wie sie mit zwei Männern in einem lebte: dem, den sie geheiratet hat, und dem Monster. Erst am Ende, wenn es um die Schuldfrage geht, fällt dieses Wort – und damit auch, dass sie ihn in ihrer Kindheit nie mit dem Leid konfrontieren konnte, das er ihr angetan hat.
Filme wie dieses essayistische Selbstporträt von Jelena Ilić gehören ins Kino: in einen Raum, in dem man gemeinsam schaut, fühlt und als Kollektiv das Leid einer einzelnen Person mitträgt. Genau dieser Perspektivwechsel macht diese Art Film für mich immer wieder spannend. EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT ist vorsichtig, ehrlich und trotz allem nie ohne Liebe.

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