Heimsuchung- Eine Jahrhundertgeschichte
Deutschland, Frankreich | 2026 | FSK 12
Cannes 2026

Premiere mit Gästen
mit Regisseur Volker Schlöndorff
Leinwandlesen: Literatur im Kino
In Koop. mit dem Institut für Germanistik der HHU
Volker Schlöndorffs HEIMSUCHUNG nach dem gleichnamigen Roman von Jenny Erpenbeck feierte seine Premiere bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes. Er erzählt von einem Grundstück an einem See der märkischen Seenplatte nahe Berlins und beobachtet drei Familien, die hier von 1930 bis zum Fall der Mauer lebten.
Anfangs Brachland, wird es von einer jüdischen Tuchmacherfamilie, die es zu bescheidenem Reichtum gebracht hat, und einem jungen Architekten-Ehepaar bebaut, das der Großstadt entfliehen und sie dennoch schnell erreichen können will. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges kommt die jüdische Familie unter Druck und verkauft ihre Hälfte an die deutschen Nachbarn, um ihre Flucht zu finanzieren. Doch sie sind zu langsam und unschlüssig, um dem Konzentrationslager entgehen zu können. Nach dem Krieg bekommt der Architekt einen lukrativen Auftrag aus dem Westen und verlässt das Anwesen, das in der Folge von den ostdeutschen Behörden beschlagnahmt und der Familie einer erfolgreichen Schriftstellerin zugeschlagen wird. Doch auch sie kann hier keine Wurzeln schlagen. Nach der Wende beanspruchen die Erben des Architekten den idyllischen Ort, und wenn die Bulldozer anrollen, haben wir eine Vorstellung davon, was an Familiengeschichte und Tradition hier einfach ausgelöscht wurde. Schlöndorff gelingt nicht nur ein einfühlsames Porträt deutscher Familientradition, sondern auch eine Metapher, die klarmacht, was der Westen dem Osten nach der Wende angetan hat.


