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Le Havre

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Le Havre - 2011 Filmposter

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Und wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Kaurismäki her. Der sonst so fatalistische Finne feiert im Flüchtlingsdrama „Le Havre“ das Gute, Wahre, Schöne und die Solidarität unter Menschen: Märchenhafte Weihnachtsstimmung, die auf dem Festival in Cannes von Presse und Publikum tosenden Beifall bekam. Die wunderbare Geschichte handelt von einem ehemaligen Künstler, der als Schuhputzer mehr schlecht als recht seinen Lebensunterhalt verdient. Durch Zufall trifft er auf ein Flüchtlingskind aus Afrika, das von der Polizei gesucht wird. Spontan hilft er dem Jungen, versteckt ihn und wird von den Nachbarn tatkräftig unterstützt. Kitschige Gutmenschen-Schmonzette? Beim übercoolen Kaurismäki doch nicht! Selten wird die Leinwand so wunderbar schlicht und ergreifend zum Leuchten gebracht!

Es war einmal ein armer Schuhputzer, der in der französischen Küstenstadt Le Havre sein bescheidenes Leben fristete. Marcel Marx (André Wilms) beklagt sich nicht, er genießt das kleine Gläschen Wein in seiner Stammkneipe, die Treue seines Hundes Laika und natürlich die Liebe seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Der gemächliche Alltagstrott gerät aus dem Takt, als die geliebte Gattin ins Krankenhaus kommt und der wackere Held wenig später einem minderjährigen Migranten auf der Flucht begegnet.

Dass die todkranke Arletty nicht mehr lange zu leben hat, will sie ihrem Mann unbedingt verschweigen. „Es gibt keine Wunder, nicht in meiner Gegend“, diagnostiziert der behandelnde Arzt. Doch der Doktor wird sich noch wundern. Ebenso wie der kauzig clevere Kommissar Monet, der dem kleinen Flüchtling dicht auf den Fersen ist.

Marcel, der seine Ehefrau in guten Händen glaubt, entdeckt spontan sein Herz für das Kind in Not. Zunächst überlässt er dem kleinen Idrissa seine Vesper, später versteckt er ihn in der eigenen Wohnung. Damit nicht genug, auch die Nachbarn zeigen wie selbstverständlich Nächstenliebe, selbst der grantig geizige Gemüsehändler gibt sich ungewohnt spendabel. Um die 3.000 Euro für den Fluchthelfer nach England aufzutreiben, muss sich Marcel allerdings noch etwas einfallen lassen. Kreativität ist gleichfalls gefragt, um den Denunzianten von nebenan (Jean-Pierre Léaud!) sowie den hartnäckigen Kommissar im klapprigen Renault 16 abzuschütteln.

Dieser Oldtimer des Ordnungshüters passt bestens in das Märchenbuch-Frankreich des findigen Finnen, dem als pittoreske Kulisse eine ärmliche Wohnstube, eine winzige Bäckerei, ein graues Krankenzimmer oder eine blassblaue Bar genügen.

Mit maximalem Minimalismus, wie gewohnt, inszeniert Kaurismäki sein vergnügliches Melodram, das sich mit dem umwerfenden Charme seiner wunderbaren Figuren gekonnt allen Fallstricken einer Gutmenschen-Schmonzette entzieht. Die diversen Anspielungen und Verweise auf Klassiker wie Tati, Bresson oder Melville sind allemal Sahnehäubchen für Cineasten – sie derart unverkrampft und uneitel ausfallen zu lassen, macht die grandiose Kino-Coolness à la Aki aus.

An diesem humanistischen Helden namens Marx samt seinem unerschütterlichen Optimismus hätte Charles Chaplin seine wahre Freude. Selten wird die Leinwand so wunderbar schlicht und ergreifend zum Leuchten gebracht!