Love Me Tender
Frankreich | 2025 | FSK 16
Un Certain Regard, Cannes 2025

Spätsommer, irgendwo in Paris. Die frühere Anwältin Clémence schreibt an ihrem Romandebüt und geht in ihrem neuentdeckten Begehren gegenüber Frauen auf. Mit ihrem Noch-Ehemann Laurent teilt sie sich freundschaftlich das Sorgerecht für ihren achtjährigen Sohn Paul. Doch als Laurent von ihren Liebschaften erfährt, fällt alles zusammen. Er lässt Clémence nicht mehr zu ihrem Sohn und fordert das alleinige Sorgerecht.
Fortan darf Clemence ihr Kind nur noch unter staatlicher Aufsicht treffen. Sie sitzen dann in einem Besprechungsraum und zwei Beamtinnen führen Protokoll über ihre Begegnung. Obwohl sich Mutter und Sohn sehr zugetan sind, werden alle Einsprüche gegen den Entzug des Sorgerechts abgelehnt oder vertagt. Immerhin darf Clemence inzwischen ab und zu einmal einen ganzen Tag mit ihrem Sohn verbringen, doch ihr Ex-Mann cancelt und verschiebt die Termine nach Belieben. Zwischenzeitlich wird der Sohn immer älter, leidet darunter, dass sein Vater ihn stets gegen die Mutter aufwiegelt und empfindet das Theater, was seine Eltern da aufführen, zunehmend als Schikane, der er sich am liebsten entzieht. Einmal erklärt ein Richter Clemence, dass solche Sorgerechtsprozesse lange dauern, oft länger als die Kindheit der Betroffenen.
Cazenave Cambet inszeniert diesen Fall minutiös nach, zeigt den zunehmenden Frust der Mutter, wonach sie sich oft in immer neue Beziehungen mit anderen Frauen stürzt, zeigt aber auch die Leiden des Kindes, dessen Wohl die gesetzlichen Vorschriften wohl kaum gerecht werden. Etwas holzschnittartig dagegen der Vater, als Ekel, der seine Ex-Frau aus Eifersucht oder was auch immer auf Kosten seines Sohnes kaltstellt.
Dem Film fehlt es an emotionaler Tiefe, zu sehr verliert er sich in Fakten und Details, als dass die menschlichen Dimensionen dieser Katastrophe in den Vordergrund drängen. Dazu passt auch Vicky Krieps unterkühltes Spiel, das dem Film eine gewisse Kälte verleiht und den Schwerpunkt mehr auf Frauenrechte legt als auf das Kindeswohl.


