VorschauSTART | 17.10.2019

Parasite

AWARDS: Goldene Palme - Cannes 2019

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Parasite - 2019 Filmposter

Eine Welt Filmtage

Leben und Kultur anderer Länder

Metropol
Do17.10.1919:00

9,50 EUR/7,50 EUR
Normal / Gildepass

Informationen

Nicht etwa ein Monsterfilm oder ein Science-Fiction-Thriller steckt hinter dem „Titel“ Parasite, sondern eine anfangs komische, später immer tragischere Satire. Wie so oft bedient sich der koreanische Regisseur Bong Joon Ho unterschiedlichster Genremuster, um von gesellschaftlichen Missständen zu erzählen. Einer der besten Filme des diesjährigen Wettbewerbs von Cannes, der verdientermaßen mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

Familie Ki lebt in ärmlichen Verhältnissen ganz unten auf der sozialen Leiter. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der Putz ihrer Wohnung im Tiefparterre blättert ab, in den Ecken breitet sich Schimmel aus, der Müll staut sich. Die Eltern Ki-taek und Chung-sook sind arbeitslos, die fast erwachsenen Kinder, der Sohn Ki-woo und die Tochter Ki-jung unterstützen die Familie mit Gelegenheitsjobs. Das Glück wendet sich als ein Freund Ki-woo eine Tutorenstelle am anderen Ende der Stadt, am anderen Ende der sozialen Leiter vermittelt. Im mondänen, modernistischen Haus der Familie Park soll er der Tochter Englischstunden geben. Es ist der Beginn einer parasitären Beziehung der beiden Familien, denn bald arbeiten alle Kis für die Parks: Die Tochter kümmert sich um den Sohn, der Vater wird Chauffeur, die Mutter schließlich Haushälterin. Das Schicksal scheint es endlich gut mit Familie Ki zu meinen.

Wie in den meisten seiner Filme – zuletzt „Okja“ und „Snowpiercer“, vor Jahren „The Host“ und „Memories of Murder“ – lässt sich auch „Parasite“ nur schwer einem Genre zuordnen. Unbekümmert bedient er sich hier und da, überrascht immer wieder mit völlig unvorhergesehenen Volten, doch am Ende sind Bongs Filme immer eins: messerscharfe, genau beobachtete Satiren. Schon in „Snowpiercer“, in dem in einem Zug auf ewiger, ungebremster Fahrt durch eine apokalyptische Schneelandschaft die einzelnen Waggons die gesellschaftlichen Schichten markierten, bedient Joon Ho klarer geographischer Metaphern. Ganz unten beginnt auch sein neuer Film, in der Wohnung der armen Kis, während oben die gut situierten Parks Leben. Wenn da ein Wolkenbruch die Stadt unter Wasser setzt, wird diese Metapher noch deutlicher: Oben werden nur die Fenster nass, unten versinkt das Tiefparterre der Kis im schmutzigen Abflusswasser.

Doch bei aller offensichtlichen Gesellschaftskritik macht es sich Bong dabei nicht zu einfach. Den Kis sieht man als offensichtliche Verlierer des kapitalistischen Systems ohnehin alles nach, doch auch die Parks sind keineswegs unsympathische Neureiche, im Gegenteil. Abgesehen davon, dass sie sich über den strengen Kellergeruch von Ki-taek wundern, ist von ihnen kein böses oder hochnäsiges Wort über ihre Angestellten zu vernehmen. Der wahre Schuldige an den gesellschaftlichen Missständen sind hier nicht einzelne Personen, sondern die Gesellschaft als Ganzes und der tragende Konflikt somit auch abstrakter. Joon Ho lässt zu keiner Zeit Zweifel daran aufkommen, welch herausragender Regisseur er ist, der auch einen Film, der fast ausschließlich innerhalb eines Hauses spielt, zu einem visuellen Meisterstück machen kann. Dass er dafür als erster Regisseur aus Südkorea mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, war dann selbst in einem außergewöhnlich starken Wettbewerb keine sonderliche Überraschung.

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