PushFür das Grundrecht auf Wohnen

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Push - 2018 Filmposter
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Wenige Themen bewegen aktuell so viele Menschen so sehr wie die steigenden Mietpreise, Verdrängung aus Innenstädten, Mietwucher. Genau im richtigen Moment kommt daher „Push - Für das Grundrecht auf Wohnen“ ins Kino, in dem der schwedische Regisseur Fredrik Gertten viele Facetten des Themas umkreist. Betont parteiisch zwar, aber in jedem Fall zu Diskussionen anregend.

Wohl jeder Bewohner einer deutschen Stadt hat selbst oder im Freundes- oder Bekanntenkreis Erfahrung mit einem der grassierendsten Probleme moderner Industriegesellschaften zu tun: Dramatische Mieterhöhungen, Verdrängungen, Verkauf von Wohnraum an gesichtslose Organisationen, die nicht das Gemeinwohl, sondern nur ihre eigenen Profite im Sinn haben. Gentrifizierung ist zwar schon seit langem ein Thema, doch was sich in den letzten Jahren in den Zentren der Metropolen abspielt geht noch weiter. Sehr langsam reagiert auch die Politik und beginnt mit zarten Versuchen gegenzusteuern.

Etwas weiter – zumindest auf theoretischer Ebene – ist die UN. Dort gibt es nämlich den Posten einer Sonderbeauftragen für das Menschenrecht auf Wohnen, der seit einigen Jahren von der Kanadierin Leilani Farha ausgefüllt wird. Sie steht im Mittelpunkt von Fredrik Gerttens Dokumentation „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“, der in loser, manchmal auch etwas willkürlich anmutender Struktur, Aspekte eines umfassenden Themas beleuchtet, dass in 90 Minuten kaum zu fassen ist.

Nur kurz ist dabei ganz am Anfang ein Häusermakler in Toronto zu sehen, der Immobilien aufhübscht und teuer weiterverkauft. Was deswegen erwähnenswert ist, da er praktisch der einzige Vertreter der anderen Seite ist, der zu Wort kommt, der Seite, die von steigenden Preisen profitiert. Durchaus interessant wäre es gewesen, wie Immobilienfirmen, Fonds und andere Strukturen ihre Geschäfte mit Wohnraum begründen und rechtfertigen, aber Fredrik Gerttens beschränkt sich auf die andere, die linke, liberale, ökologische Seite.

Auf seiner Reise durch westliche Industrieländer begleitet er Farha zum Beispiel nach London, wo sie ehemalige Bewohner der Grenfell Towers besucht, ein Wohnhaus, das vor einigen Jahren auf so dramatische Weise abbrannte und seitdem als Fanal für die Ignoranz der Behörden dient. In Barcelona dagegen ist das Problem nicht zuletzt der Wohnungsvermittler Airbnb, der zur Umwandlung von Wohnraum in teure Ferienappartements beiträgt, die oft als Symbol der Veränderung der Städte herhalten muss.

In Berlin-Kreuzberg wiederum trifft Farha einen Koch, der von einem Tag auf den anderen viel mehr Miete zahlen musste, aber auch einen Vertreter der Stadt, der vom Versuch berichtet, Wohnhäuser zurückzukaufen und damit dem freien Markt zu entziehen. Welch verführerisches Anlageobjekt Häuser sind, beschreibt der Mafia-Spezialist Roberto Saviano, der kurz die Methoden skizziert, mit denen Schwarzgeld gewaschen werden kann.
Ferner kommen der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stieglitz und die Soziologin Saskia Sassen zu Wort, die weitere Aspekte des Themas anreißen.

Eine klare Argumentation zu entwickeln ist angesichts der Vielschichtigkeit des Themas kaum möglich und so verzichtet Gertten in gewisser Weise auch konsequent auf den Versuch. Roter Faden seines Films ist eine allgemeine Anklage von Immobilienspekulation, von schrumpfendem, bezahlbarem Wohnraum. Andersrum formuliert: Sein Film ist ein Aufruf, sich zu engagieren und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wenn da am Ende von „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ Vertreter unterschiedlichster Städte zusammensitzen und erkennen, dass sich ihre jeweiligen Probleme vielleicht unterscheiden, sie jedoch dennoch Teil eines großen Ganzen sind, dann bringt das Aussage und Ideologie des Films auf den Punkt. Nur wenn die Menschen beginnen, gegen die Verknappung von Wohnraum zu protestieren, nur wenn man sich engagiert, kann die Umkehr einer Entwicklung begonnen werden, deren Konsequenzen immer mehr Menschen spüren.

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