Roads

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Roads - 2018 Filmposter
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Sebastian Schipper, der gefeierte Regisseur von „Victoria“ (2015) meldet sich zurück mit einem mitreißend warmherzigen Roadmovie über eine Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Diesmal macht er auch wieder Schnitte („Victoria“ fand ja vor allem dafür Beachtung, dass er seine anderthalb Stunden dauernde Geschichte am Stück erzählt), verlagert sein handwerkliches Können auf leisere Töne und überlässt den Rest seinen mal wieder herausragenden Nachwuchsdarstellern. Kluges, junges deutsches Kino, dass die brennenden Fragen unserer Zeit mit Leichtigkeit am Rande verhandelt.

Der Londoner Gyllen (Fionn Whitehead) ist gerade achtzehn geworden, als er im Familienurlaub in Marokko das Oldtimer-Wohnmobil seines Stiefvaters entführt und sich allein auf die Suche nach seinem richtigen Vater in Frankreich macht. Kaum unterwegs trifft er durch einen Zufall auf den gleichaltrigen Kongolesen William (Stéphane Bak), der auf der Suche nach seinem Bruder ist, der ebenfalls irgendwo in Frankreich sein muss. Mit Fußball ist schnell ein erstes gemeinsames Interesse gefunden und die beiden beschließen, gemeinsam weiter zu suchen. Doch auf dem Weg von Marokko über Spanien nach Frankreich stehen ihnen noch so manche Abenteuer bevor: Keiner von beiden hat einen Führerschein, William ist Flüchtling und hat nicht einmal eine Aufenthaltsgenehmigung und Gyllens Familie ist natürlich auch alarmiert und auf der Suche nach ihm. Unterwegs machen sie die verschiedensten Bekanntschaften – manche helfen, andere sind gefährlich. Doch vor allem schweißen sie ihre Erlebnisse immer enger zusammen und gemeinsam führen sie sämtliche Vorbehalte und Berührungsängste mit anderen Kulturen ad absurdum…

„303“ in gut, möchte man fast sagen – und der Vergleich drängt sich nicht nur auf wegen des alten Wohnmobils: Während das Zufallspärchen des letztjährigen Sommerhits noch süßholzraspelt über gesellschaftliche Theorien von vorgestern, leben Gyllen und William längst ohne große Worte eine überzeugende gesellschaftliche Utopie, ein echtes Miteinander, das von Herzen kommt und sich nicht um konventionelle Grenzen schert. Raffiniert haut Schipper uns dabei das Thema „Flüchtling“ nicht von vornherein lautstark um die Ohren, sondern gibt ihm Zeit sich in seine Geschichte einzuschleichen, als Realität, die uns längst überall umgibt. Darüber hinaus benutzt er sein einnehmendes Zweiergespann, um auch Modelle wie Familie und Beziehung auf die Probe zu stellen und ihre Grenzen zu verwischen. Was letztlich zählt, ist einzig das Gefühl, das wir füreinander haben und die Dinge, die wir miteinander tun.

Bei „Victoria“ schien es nur um den Reiz zu gehen, einen Film ohne Schnitt zu machen. Das Erzählte stand im Hintergrund und musste sich den technischen Erfordernissen beugen (was bei allem sportlichen Geschick letztlich zu einer arg konstruierten Story führte). Hier ist das umgekehrt: Er stellt die Technik wieder in den Dienst dessen, was er eigentlich erzählen will, und das ist eine echte, vom Leben inspirierte, intensive Begegnung, die zum mitfühlen und nachdenken einlädt.