Rodeo
Frankreich | 2022 | FSK 16
Cannes 2022: Coup de Cœur

Die junge Julia hat es nicht leicht. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen hat sie früh gelernt, sich durchzubeißen und eckt überall an mit ihrer aufbrausend aggressiven Art. Wirklich frei fühlt sie sich nur auf dem Rücken eines geklauten Motorrads. Als sie bei einem illegalen Straßenrennen auf eine Gruppe von Motorradschraubern trifft, scheint sie eine neue Familie gefunden zu haben. Doch als Frau muss sie sich in dieser Männerwelt erst einmal beweisen und das kann sie am besten mit krummen Dingern…
Rau und ungestüm wie seine Protagonistin kommt auch der Film zunächst daher. Gedreht auf grobkörnigem analogem Material und mit impulsiver Handkamera und schnellen Schnitten geht es gleich zur Sache. Doch dann kehrt bald Ruhe ein und wir lernen Julias durchaus zerbrechliche Seite kennen, genau wie auch die scheinbar so raubeinigen Motorrad-Stuntfahrer bei näherer Betrachtung ein wirklich herzliches Miteinander pflegen. Ein liebevoller aber realistischer Blick hinter die Kulissen einer sozialen Parallelwelt in der Illegalität, die den meisten von uns sonst verborgen bleibt. Die Stunts bei den illegalen Rennen sind atemberaubend, dennoch setzt der Film keine Begeisterung für Motorsport voraus, im Gegenteil: Was hier knatternd, lärmend, funkensprühend durch die Gegend fliegt ist die Gefühlswelt der herausragend gezeichneten und gespielten Hauptfigur. Ein aufregendes, feinfühliges, emanzipiertes Debüt über eine moderne Amazone um die Ecke von TITANE.


