Sechswochenamt
Deutschland | 2025 | FSK 6
Filmfest München 2025: Preis Neues Deutsches Kino und FIPRESCI Award

Während Hollywood mit immer umfangreicheren Budgets auf Überwältigungskino setzt, verwirklichte Regisseurin Jacqueline Jansen ihr Spielfilmdebüt SECHSWOCHENAMT mit eigenen Mitteln ohne jegliche Förderung. Und doch bleibt ihr Werk über Verlust und Trauer, bei denen sie eigene Erfahrungen verarbeitet, nachhaltiger im Gedächtnis als manch ein Mega-Blockbuster.
Im Mittelpunkt steht Lore, eine junge Frau, die sich nach dem Tod ihrer Mutter um deren Beerdigung kümmern muss. Da sich die Mutter eine Seebestattung gewünscht hat, sieht sich die junge Frau mit allerlei bürokratischen Hindernissen konfrontiert, zusätzlich erschwert durch die gerade erst begonnene Corona-Pandemie. Und nicht nur dies. Auch die Personen in ihrem Umfeld machen ihr das Leben schwer.
So hat ihre Großmutter ganz eigene Ansichten, wie eine Beerdigung abzulaufen hat, ihre Schwester glänzt durch Anwesenheit und der Pfarrer versucht sogar, sie übers Ohr zu hauen und so billig wie möglich an die Möbel der Mutter zu kommen. Dabei steckt Lore selbst in finanziellen Schwierigkeiten und ist emotional sehr labil, gefangen in der Trauer um die Mutter und den Anforderungen der Gesellschaft, denen sie selbst mit Skepsis gegenübersteht.
Sechs Wochen lang begleiten wir die Protagonistin bis hin zum titelgebenden „Sechswochenamt“, der katholischen Totenmesse, sechs Wochen nach dem Todesfall. Verortet ist die Geschichte im nordrhein-westfälischen Erkelenz, die Regisseurin stammt selbst von hier. Der sehr intime und persönliche Blick auf die Geschehnisse schafft eine bemerkenswerte Authentizität, die aber immer auch so allgemeingültig bleibt, dass die Zuschauer sich damit identifizieren können.
Regie, Drehbuch, Schnitt, Casting und Produktion – Jacqueline Jansen übernahm all diese Aufgaben und hatte dabei den Vorteil, die Fäden selbst in der Hand zu behalten. Das größte Pfund aber hatte sie mit Hauptdarstellerin Magdalena Laubisch, die mit ihrem reduzierten Spiel eine überaus beeindruckende Leistung zeigt. Schon mit ihren Rollen in LOVE ADDICTS und DIE NICHTE DES POLIZISTEN konnte sie überzeugen und bestätigt nun erneut ihr großes Talent. So war es auch nur folgerichtig, dass sowohl sie als auch die Regisseurin auf dem letzten Filmfest München mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet wurden und den FIPRESCI-Preis noch dazu erhielten.


