VorschauSTART | 08.12.2022

She Said

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She Said - 2022
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SHE SAID, der neue Film von Emmy-Gewinnerin Maria Schrader, erzählt vom riskanten Weg zweier Journalistinnen, die 2017 den weitreichenden Machtmissbrauch gegenüber Frauen im US-amerikanischen Filmgeschäft aufgedeckten. Megan Twohey und Jodi Kantor brechen das große Schweigen in Hollywood: Sie entlarven Business-Meetings in Hotelzimmern als sexuelle Übergriffe und stoßen auf ein Netz aus Repression, Erpressung und Angst. Mit ihrer mutigen Recherche geben sie nicht nur den betroffenen Frauen ihre Stimme zurück, sondern stoßen eine weltweite Welle der Solidarität an.

2016. Kurz vor der Präsidentschaftswahl arbeitet die New York Times-Journalistin Megan Twohey (Carey Mulligan) an einem Artikel, in dem Donald Trump sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Die Ära von #Metoo hat gerade erst begonnen, machtvolle Männer werden bisweilen unberechtigter, meist aber sehr berechtigterweise angeklagt, entlassen oder ihrer Posten enthoben. Doch eine Geschichte wird viel größer werden als alle anderen: Die Anschuldigungen gegen den Produzenten Harvey Weinstein. Zunächst ist es Jodie Kantor (Zoe Kazan), die Hinweise bekommt, dass ein bedeutender Hollywood-Produzent immer wieder übergriffig geworden sei. Ihre Chefs Rebecca Corbett (Patricia Clarkson) und Dean Baquet (Andre Braugher) ermuntern Kantor zu recherchieren, erst allein, bald im Duett mit Twohey.
Das Problem: Keine der Frauen, die von Weinstein belästigt oder gar vergewaltigt wurden, will sich zitieren lassen und ohne Zitate keine Story. So beginnt ein langer Prozess, bei dem Kantor und Twohey in Amerika und England Schauspielerinnen treffen, aber auch Mitarbeiter*innen von Weinsteins Produktionsfirma Miramax, die erschreckende, sich oft bis ins Detail ähnelnde Geschichten erzählen: Ein Ruf aufs Hotelzimmer, die unverblümte Aufforderung zu einer Massage, Druck und wenn das nicht hilft, Drohungen oder rohe Gewalt.
Man weiß, wie die Geschichte ausgeht, Weinstein wurde zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt, zwei weitere Verfahren stehen noch aus, aller Voraussicht wird der einstige Starproduzent im Gefängnis sterben. Im Gegensatz zu Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, an dem sich wohl jeder Film über investigativen Journalismus messen lassen muss, setzt Maria Schrader in ihrem Doku-Drama mehr auf Fakten, als auf emotional wirkungsvolle Großaufnahmen der Gesichter ihrer Protagonisten. Ihr Film wirkt dadurch gelegentlich etwas kühl, bleibt aber sachlich und zeigt mit seiner enormen Datenfülle, dass hinter jedem einzelnen Missbrauch etwas Größeres steckt. Es ist ein System, wie wir es nicht nur aus Hollywood kennen und zu dem neben den kriminellen Akteuren auch die vielen Mitwisser gehören, die nichts unternommen haben und sogar eigene Vorteile auf Kosten der Opfer wahrnehmen. Damit geht der Film einen Schritt weiter als der vor drei Jahren in den Kinos laufende BOMBSHELL, in dem es um einen ähnlichen, aber deutlich kleineren Skandal bei FOX News ging. Schrader punktet mit Fleiß und Detailgenauigkeit, trägt Fakten zusammen und lässt Einblicke zu, die uns erahnen lassen, wie mächtig dieses Missbrauchssystem gewesen ist, was erklärt, wieso es so lange existieren konnte. Und wenn wir ähnliche Strukturen sicherlich auch heute noch in den verschiedensten Branchen finden, haben die #Metoo-Bewegung wie auch dieser Film dazu beigetragen, dass die Opfer sich zu wehren wissen und wir selbst genauer hinschauen.

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