The Old Oak

Cannes Film Festival 2023

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The Old Oak - 2023
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In Cannes warf die Presse Ken Loach vor, er würde immer den gleichen Film drehen, dennoch war THE OLD OAK für uns einer der stärksten Film im Wettbewerb. Mag sein, dass Loach immer wieder das gleiche Thema behandelt, aber er entwickelt es fortwährend weiter und passt es der gesellschaftlichen Entwicklung an. Es geht immer um die Ärmsten der Armen, denen seine ganze Solidarität gilt. Diesmal stoßen sie auf Flüchtlinge und irgendwie sitzen alle in einem Boot…

Dank seiner langjährigen Drehbuch-Zusammenarbeit mit Paul Laverty kann Loach sein Thema immer wieder neu variieren. Diesmal verschlägt es die beiden in den Nordosten Englands, wo auch ICH, DANIEL BLAKE und SORRY WE MISSED YOU gedreht wurden. Hier in einem kleinen Bergbau-Städtchen scheint die Zeit stehen geblieben, seit Margaret Thatcher den großen Bergarbeiter-Streik mit eiserner Hand durchzog. Davon haben sich viele dieser Dörfer bis heute nicht erholt: die Geschäfte sind mit Brettern vernagelt, die Schwimmbäder geschlossen, ebenso die Gemeindehäuser und die Bibliotheken.
“Wie konnte eine einst so organisierte Arbeiterklasse mit einer kämpferischen Gewerkschaft so enden? Wie konnten sie dem Narrativ der freien Marktwirtschaft derart erliegen?” fragten sich Loach und Laherty. “Dies sind keine Zufälle, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen und für uns war wichtig, diese Vergangenheit in der Gegenwart sichtbar zu machen.”
Dies geschieht in dem einzigen noch geöffneten Pub in dem fiktiven Örtchen. Im Hinterzimmer des ‘Old Oak’ hängen noch Bilder an der Wand, die von einer stolzen und prosperierenden Zeit zeugen. Heute ist davon nichts mehr übrig. Die Bewohner leben von der Stütze oder schlagen sich sonstwie durch ihr karges Leben, das offensichtlich keine Perspektive mehr verspricht. Der Ort ist so weit heruntergekommen, dass man hier ein Haus für 8.000 Pfund kaufen kann, was die Regierung auf den Plan ruft, um hier Flüchtlinge unterzubringen. Diese werden entsprechend frostig empfangen, und wenn Hilfsorganisationen großzügige Spenden an sie verteilen, wie z.B. Fahrräder für die Kinder, bricht auch bei bei den Heranwachsenden der Neid aus.
Die Stärke des Films liegt darin, dass Laverty den Bewohnern genau auf den Mund schaut und ihre Lage und Argumente in authentische Dialoge verwandeln kann. Ohne auf brenzlige Situationen zu verzichten, greift er sich aus jedem Lager eine gemäßigte Person, aus dem Dorf den Kneipenwirt TJ und unter den Flüchtlingen Yara, eine junge gebildete Syrerin, die sich anfreunden und gemeinsam eruieren, wie man die Situation für beide Seiten zufriedenstellend lösen kann.
Es ist wie immer bei Ken Loach, eigentlich sitzen beide Seiten im gleichen Boot, kämpfen gegen den gleichen Feind und mit ein wenig Solidarität sollte einiges bewegt werden können. Doch mit Argumenten scheint hier keine Lösung in Sicht, und so wechselt der Film auf die emotionale Ebene, um die unterschiedlichen Parteien am Ende doch noch zusammenzuführen. Das ist ein wenig märchenhaft und vielleicht auch kitschig, aber so ist das bei Ken Loach: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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