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VorschauSTART | 02.06.2022

The OutfitVerbrechen nach Maß

Special Gala, Berlinale 2022

Infos Vorführungen

Vorpremiere 

Atelier
Di31.05.2219:00

11,00 € EUR/9,00 € EUR
Normal / Gildepass

Informationen

Wunderschön designed, sorgsam ausgemessen und fachmännisch geschnitten ist dieser liebevoll gestaltete Film von Graham Moore, der für das Drehbuch zu THE IMITATION GAME einen Oscar gewann und nun seine erste Regiearbeit vorlegt. Mark Rylance spielt hier einen Maßschneider, der 1956 von London nach Chicago übersiedelt, weil das Aufkommen der Blue Jeans sein Geschäft ruinierte. Doch auch in Chicago gibt es niemanden, der sich seine teure Maßarbeit leisten kann - außer der Mafia…

Moore stellt uns diesen von Mark Rylance so wunderbar gespielten englischen Maßschneider Leonard vor, in dem wir ihm zusehen dürfen, wie er an einem frühen, frostigen Dezembermorgen seinen Laden aufschließt und sich auf seinen Arbeitstag vorbereitet. Ordnung, Akribie und methodisches Arbeiten sind sein Credo und drücken seine Leidenschaft für die Präzision seines Handwerks aus. Später betritt seine Sekretärin Mable (Zoey Deutch) den Laden und wir sehen, dass Leonard auch seine Worte mit Bedacht wählt. Sehr gesprächig ist er zwar nicht, aber wenn er was sagt, meint er es auch. Er ist mehr ein Beobachter, der die Dinge wahrnimmt, analysiert und sich dann einen Plan ausdenkt.
Nachdem uns Leonards Charakter derart akribisch vorgestellt wurde, nimmt die Handlung Fahrt auf, als zwei Gangster seinen Laden betreten. Der eine ist Richie, er hat eine Kugel im Bauch und er soll ihn wieder zusammenflicken. Leonard lehnt ab, doch Richie ist der Sohn von Roy Boyle, dem hiesigen Patriarchen, der einst sein erster Kunde war und seine Verschwiegenheit und Loyalität stets zu schätzen wusste. In seinem Dienst beweist Leonard nicht nur sein Talent für Nadel und Schere, sondern auch höchste Diskretion bezüglich der Geschäftsgespräche in seinem Laden sowie der geheimnisvollen Päckchen, die dort zur Abholung hinterlegt werden. So treffen sich hier bald alle (Möchtegern-)Gangster, um von ihm Maß nehmen zu lassen. Seine Schneiderei wurde so zu einer Art verdeckten Geschäftsstelle des organisierten Verbrechens und Leonard ist die perfekte Tarnung, denn dem meist geistesabwesenden und auf seine Arbeit fokussierten Schneider traut die Polizei nichts Böses und die Gangster kein Interesse an ihrem Geschäft zu. Sie nennen ihn etwas abfällig den “Engländer” und halten ihn für weltfremd und einfältig, aber Leonard hat die Dinge, die da in seinem Hinterzimmer ablaufen, stets genauestens im Blick. Dabei zeigt er typisch britische Noblesse und Verschwiegenheit, doch tatsächlich kriegt er alles mit, zählt eins und eins zusammen und beginnt bald, im Hintergrund gewisse Fäden zu ziehen.
Der komplette Film spielt in seiner Schneiderei, ein gelegentlich etwas klaustrophobisches Kammerspiel, das ganz auf seinen Hauptdarsteller Oscar®-Preisträger Mark Rylance (BRIDGE OF SPIES, THE TRIAL OF THE CHICAGO 7) zugeschnitten ist. Graham Moore spielt gekonnt mit den Konventionen des Film Noir, sein Drehbuch beobachtet kleine unscheinbare Momente, die sich dann als komplex und wesentlich herausstellen, gewöhnliche Gegenstände werden zu geladenen Waffen und während Geheimnisse geteilt werden, werden Lügen aufgedeckt. Das alles ist mit soviel Grandezza, Cleverness und schwarzem britischem Humor inszeniert, wie wir es seit BRÜGGE SEHEN UND STERBEN nicht mehr im Kino gesehen haben.

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